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Samstag, 07 Oktober 2017 16:07

Native american blues – ein spezielles Konzert

geschrieben von

Es war mein erstes Hauskonzert und eines der ganz besonderen Art.

Mitch von Kerstin 2 400bDie Hauskonzerte meiner ehemaligen Vermieter in München, die vorzugsweise um 22 Uhr unter der Woche ihre "Stubnmusi" pflegten und mich damit vom notwendigen Schlaf abhielten, waren nicht mein persönliches Highlight.

Kein Vergleich zum Country-Blues-Folkrock-Konzert von Mitch Walking Elk! https://www.youtube.com/results?search_query=mitch+walking+elk
Heute durften meine Tochter und ich an einem Konzert des Native American teilnehmen, im Haus einer lieben Autorenkollegin.
Kerstin Groeper setzt sich sehr für die Belange der Lakota-Cheyenne in der Pine Ridge Reservation in South Dakota ein. Sie organisiert unter anderem Konzerttourneen von Mitch Walking Elk und Wade Fernandez in Süddeutschland und bietet den Künstlern Unterstützung und Unterkunft.

Die nach wie vor schwierige Situation der Indianer ist vielen in Deutschland unbekannt. Wir, die wir beim Wort "Indianer" vor allem Winnetou vor uns sehen, seine spannende Welt und seine attraktive Tapferkeit.
Aber die Realität ist weit davon entfernt: Diskriminierung existiert nach wie vor. 85% der Reservatsbewohner sind arbeitslos, ein sehr großer Teil der Familien lebt unterhalb der Armutsgrenze. Eine deutlich kürzere Lebenserwartung als bei Weißen, dafür eine hohe Suizidrate und Alkoholismus haben vielerlei Gründe. Neben der schlechten Zukunftsaussichten ist dafür auch die falsche Ernährung verantwortlich.

Das BIA (Bureau of Indian Affairs = Amt für indianische Angelegenheiten) organisiert das Leben in den Reservaten eher schlecht als recht. Möglichst kostengünstig ist die Devise. Manche Nahrungsmittel, die auch für uns Europäer nicht natürlich-gesund sind, schaden den Indianern sogar. Die Evolution hat ihren Körpern eine natürlichere Art Nahrung zugedacht. Das BIA war früher für die Enteignung der Indianergebiete zuständig, dann wurde sie zum gegenteiligen Handeln bestellt. Es gibt viele Gerüchte über nie gezahlte Pachtgebühren und Misswirtschaft zu Ungunsten ihrer Schützlinge. Auch verschwand mutmaßlich eine Vielzahl von Unterlagen, die Verträge, Stiftungen, Wasser- und Grundrechte verbrieften.

Amerikanische Präsidenten wie Clinton und auch Obama haben für eine positive Entwicklung zugunsten der Rechte und Lebensbedingungen der Indianer gesorgt. Umweltschutz – ein wichtiges Anliegen der Native Americans – wurde endlich ein Thema. Leider erfährt diese Richtung unter Trump nun wieder eine Kehrtwendung: Hilfsfonds werden ebenso gestrichen wie kulturelle Programme. Die Trump-Dakota-Access-Pipeline, von Obama gestoppt, wurde natürlich seit dem Amtsantritt des aktuellen Präsidenten genehmigt und der Bau vorangetrieben. Proteste wurden zum Teil gewaltsam niedergeschlagen, damit Öl unter dem Missouri durchlaufen kann. Öl unter Wasser, auf dem Gebiet von Menschen, denen Wasser heilig ist, so wie es uns allen heilig sein sollte. Auf die bekannte Art, wie Trump sich über Minderheiten wie die Native Americans äußert, will ich aus Frustrationsgründen nicht groß eingehen.

Hilfe zur Selbsthilfe ist auch in Pine-Ridge neben der Akzeptanz der Kultur und des Landeigentums das wichtigste Thema. Traditionelle Landwirtschaft, die Jagd, Sammeln von Wildfrüchten, Wurzeln und Samen oder etwas Gartenbau müssen gefördert werden, sodass die Einwohner sich selbst gesund ernähren können. Allmählich entstehen ortsansässige, indianische Firmen, die eigene Produkte fertigen, vermarkten und verkaufen. Schulische Bildung mit Lehre der indianischen Sprachen sind förderungsbedürftig.

Geschockt sind wir auch von einer Erzählung des Hausherren an diesem Nachmittag zum Thema Boarding Schools: Bis zu den 70er Jahren wurden indianische Kinder ihren Eltern weggenommen und in Internate gesteckt. Missbrauch war an der Tagesordnung. Die Sterberate der Kinder lag bei über 25%! Das muss man sich mal vorstellen, auch wenn man es wirklich nicht möchte.

Die Musik von Mitch ist meist nachdenklich-traurig, in den Protestsongs rockig-rhythmisch. Es wechseln sich Songs voller wundervoller Texte mit Liedern ab, die wortlose Indianergesänge beinhalten. Seine starke, volle Stimme lässt mir bei besonderen Passagen eine Gänsehaut über die Arme laufen. Mit den rein instrumentellen Gitarreeinlagen, ganz modern mit Loopbox erweitert, komme ich vor allem mit geschlossenen Augen ins Träumen. Mal leiden wir Zuhörer mit, mal begeistern uns mutmachende Texte, und bei "When the buffalos come back" höre ich das Donnern der Hufe.

Zwischendurch erklärt Mitch Walking Elk, manchmal augenzwinkernd, einiges zum indianischen Gedankengut:
Der Schöpfer unseres Universums hat jedem Geschöpf eine Aufgabe gestellt, die es zu erfüllen hat. Der Regen fällt vom Himmel, die Vögel fliegen, der Wind bläst, so wie es geplant war. Nur der Mensch hat sich über alles andere erhoben und macht, was er will, wann er will und wie er will. Die ihm ursprünglich zugedachte Aufgabe lautete jedoch, über die Schöpfung zu wachen und die Balance zu bewahren. Unser Planet könnte ohne den Menschen vermutlich besser existieren - wir jedoch ohne das, was uns der Planet schenkt, niemals. Und das Wichtigste von allem ist das Wasser, das es zu schützen gilt. Eine Tatsache, ein Gedanke, der uns täglich kurz durch den Kopf sausen sollte, wenn wir mit dem kostbarsten aller Güter umgehen.

Liebe Kerstin, herzlichen Dank für den schönen Nachmittag, die Fotos und deine Hilfe bei diesem Artikel.

Dear Mitch, we fell in love with your touching music and your wunderful lyrics.

Katie

Mitch Autobiagrafie 400bÜbrigens hat Mitch Walking Elk seine Biografie veröffentlicht. Kerstin Groeper schreibt historische Indianerromane, sehr spannend und authentisch. Der "Traumfänger-Verlag" hat neben ihr weitere gute Autoren zu dem Thema an Bord.

 

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Letzte Änderung am Freitag, 13 April 2018 16:08