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Montag, 02 November 2015 17:40

Reisen in die Vergangenheit - Familienimpressionen

geschrieben von

Pflichtbewusstein, innerer Wunsch, Neugier - wie viele Kilometer muss man fahren, um neue Eindrücke zu bekommen?

Allerheiligen, einer der wichtigsten katholischen Feiertage: Myriaden von Menschen machen sich zu den Heimatorten ihrer Familien auf, um an den Gräbern der verlorenen Lieben zu gedenken.
Eigentlich gehöre ich dHerbst2er etwas zweifelnden Fraktion an. Will Gott wirklich, dass wir auf der Straße unser Leben riskieren, in zahlreichen Staus unsere eigene Lebenszeit ablaufen hören? Ticktack, was könnte ich an solch einem wunderschönen Herbsttag nicht alles machen?
Durch den Todesfall eines nahen Verwandten, den ich aus vielerlei Gründen lange nicht gesehen habe, nahm ich eine beinahe 800 km lange Strecke auf mich, um an einem Trauergottesdienst teilzunehmen und das Grab meiner Großeltern zu besuchen, was mir trotz meiner ablehnenden Einstellung wirklich ein Anliegen war. Beinahe 10 Stunden fuhren wir Richtung Norden, dank 5 Staus (warum müssen auf einer Autobahn alle maroden Stellen zugleich repariert werden?) und verpassten dann peinlicherweise auch noch den Beginn der Trauerfeier.
Dann aber folgte das, was solch einen Tag und eine Strecke sinnig macht: Ich traf auf Familienangehörige, die ich lange nicht gesehen hatte, und dieser schöne Abend war jeden Kilometer wert. Neues zu erfahren, sich auszutauschen und gegenseitig auf die Schippe zu nehmen, das alles gehört dazu. Die andere Mentalität, die singende Sprache am Niederrhein ist ungewohnt für einen Bayern, aber reizvoll. Ich wurde übrigens gebeten zu "seppeln" - also dem Dialekt freien Lauf zu lassen. ;-), weil sie das so nett finden.

Aufgrund meiner Fragen an Eltern und Verwandte während dieser zwei Tage fielen mir gelegentlich lächelnde Blicke auf. Wie ein kleines Kind wollte ich wissen, wissen, wissen. Woran liegt das, dass manche Menschen so sind und andere sich nur für sich selbst und ihre Belange interessieren?
Sind wir Autoren (nur als Beispiel) doch ein klein wenig anders?  Neugieriger, gelegentlich vielleicht ein wenig aufmerksamer, was das Um-uns-herum angeht? Ich weiß es nicht, aber ein Eindruck, ein Gedanke jagte den nächsten:
- Der erste Weltkrieg ist noch nicht so lange her - mein Urgroßvater fiel in Verdun. Es gibt noch Menschen, die Erinnerungen an Menschen haben.
- Wie war es für meine Mutter nach dem Krieg aufs Land ausquartiert zu werden? Sie erzählte, dass ihr Vater anlässlich ihrer Kommunion ein zerbombtes Haus in der Stadt wieder bewohnbar machte, weil diese Feier für die Familie so wichtig war. Der heutige Marktplatz, der damals in Schutt und Asche lag, erschien den Kindern wie ein Abenteuerspielplatz, auf dem sie Fangen und Versteckten spielten. Für uns in Deutschland ein seltsamer Gedanke - für andere, die zurzeit zu uns kommen leider nicht.
- So viele Windräder in beeindruckender Zahl, eine Armee über flache Hügel verteilt. Da, wo ich herkomme, sind mir in einem Umkreis von 100 Kilometer genau 4 Stück aufgefallen. Wir haben dafür deutlich mehr Photovoltaik.
- Wann wird die übrigens in die Sahara verlegt? Es folgen politische Diskussionen gemischt mit Beurteilungen anderer Autofahrer und ihrer "Künste".

Der Rückweg durch eine wunderschöne norddeutsche Herbstlandschaft war ein ganz besonderer Anblick: Die tiefstehende Sonne schien nebeldurchwirkt auf eine hellgrüne Wiese, auf der ein Reiher sich mit einer Art "Hechtsprung" einen Frosch schnappte. Es gibt dort oben im Norden mehr Farben im Herbst, da in Bayern viel Nadelwald die Hügel und Berge besetzt. Das Rheintal, ganz in Gelb auf den Weinhängen - leider im Nebel - was wäre das erst ohne diese Schwaden für ein Anblick gewesen?

Ich habe in diesen beinahe 1600 Kilometern viel über meine Familie gelernt, aber auch über mich: Wie sehr ich Neues aufsauge und es genieße, anderes als das gewohnte, wenn auch geliebte Allerlei zu sehen.
Und obwohl ich mir ganz sicher war, dass ich am Sonntag zuhause bleibe, die bayerische Herbstsonne genieße und vor allem an "Erin" weiterarbeite, fuhr ich stattdessen freiwillig über 200 Kilometer in die andere Richtung, um die näher wohnende Verwandtschaft zu sehen und mich über einen weiteren schönen Herbsttag mit Blick auf Passau und über den Bayerischen Wald zu freuen.

Mal ganz andere Gedanken - es dreht sich ja nicht alles um Bücher - von eurer Katie

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Letzte Änderung am Freitag, 13 April 2018 16:00