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Romantikthriller

Romantikthriller (7)

Freitag, 04 Januar 2019 12:50

Lana – Auf gefährlichen Pfaden

geschrieben von

Romantikthriller (Die Dawsons – Serie, Band 5)

Obwohl sich ein psychopathischer Killer an ihre Fersen heftet, knistert es zwischen der eigensinnigen Polizistin Lana und dem ehemaligen Adrenalinjunkie Finn.

Beschreibung

Lana, RomantikthrillerIn Teil V der Reihe begleitet die eigenwillige Polizistin »Lana« eine Familie durch die Wildnis Colorados als Schutz vor einem entflohenen Serienkiller. An ihrer Seite: ein Mann mit verhängnisvoller Vergangenheit, der bei Lana für zusätzliche Aufregung sorgt.

Die Geschichten um die Dawson-Geschwister und ihre Freunde können unabhängig voneinander gelesen werden. Die Storys im Stil von Nora Roberts sind meist in der Nähe von Boulder, Colorado angesiedelt.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort
  2. Boulder PD
  3. Sturm in der Nacht
  4. Wildnis
  5. Sprung in die Tiefe
  6. Überwältigt
  7. Es ist noch nicht vorbei
  8. Albtraum
  9. Liebe und Wahnsinn
  10. Kein Sieg ohne Risiko

Leseprobe

Der schrille Schrei einer Eule riss mich aus meinen Träumen. Ich zwinkerte und versuchte mich zurechtzufinden. Die dunkle Hütte lag hinter uns, alle schienen zu schlafen. Das Feuer war niedergebrannt, nur ein rotes Glühen knisterte zu unseren Füßen.
Finn starrte mich immer noch an, in seinen sonst so sanften Augen loderte die Herausforderung.
Zum zweiten Mal, seit ich ihn kannte, war der lässige Sunnyboy verschwunden und hatte einem anderen Mann Platz gemacht.
Sein schmales Gesicht wirkte kantig, sein drahtiger Körper in den Schatten der Nacht kraftvoller und der Mund mit den festen Lippen sinnlich und ungewohnt verführerisch.
»Du weißt, dass die Gefahr die Situation für uns beide verändert, nicht wahr, Finn?«, fragte ich ruhiger, als mir zumute war. Er beugte sich zu mir, und ich spürte seinen Atem an meinem Ohr.
Aufreizend und auf eine gefährlichere Art flirtend, nicht so unverbindlich wie früher, raunte er ganz nah: »Wer sagt, dass dies etwas Schlechtes sein muss, Lana? Das wissen wir doch nur zu gut vom letzten Mal. Damals war es ein Sturm, heute ist es eine andere Art der Bedrohung. Ich habe oft von dieser Nacht geträumt, Lana. Lass sie uns wiederholen!«
Ich saß stocksteif da und begriff nicht, warum ich ihn nicht abwehrte.
»Finn, ich will dich nicht ein weiteres Mal verletzen.«
Es hatte sich nichts geändert. Er war immer noch nicht mein Typ, ich dachte nie großartig über ihn nach. Nur diese eine Nacht hatte sich in meine Erinnerung gebrannt, als wir am Boden vor meiner Couch gelandet waren und uns anschließend geliebt hatten. Wild, rücksichtslos einander verschlingend. Und nun geschah wieder das Gleiche?
Ein Schauder lief mir über den Rücken, was sich alles andere als unangenehm anfühlte.
War ich trotz meiner Ausbildung empfänglich für das Adrenalin der Gefahr durch Beale? Sportliche Risiken ließen mich eher vorsichtig werden und die beruflichen hatten mich bisher nie in die körperlich-erotische Nähe eines Mannes gebracht.
Seine dunkle Stimme raunte:
»Ich kann diese Nacht nicht vergessen, Lana. Keine Frau hat mich die Welt um mich herum so vergessen lassen wie du. Wenn das alles ist, was ich von dir bekommen kann, muss ich mich eben damit begnügen und mit den Konsequenzen leben. Denk nicht darüber nach.«
Dicht an meinem Ohr fügte er hinzu: »Lass dich noch einmal auf mich ein, Lana!«
Weshalb raste mein Herz nun in dieser Situation mit einem Mal?
Und aus welchem Grund legte sich meine Hand, statt ihn wegzuschieben, in seinen Nacken und zog seinen Kopf so bestimmt in unmittelbare Nähe, dass ich meine Lippen auf die seinen legen konnte?
Er stieß einen tiefen Ton der Befriedigung aus, dann spürte ich seinen Arm um meine Taille und stöhnte leise, als er mich hochhob und auf seinen Schoß setzte. Seine Hand legte sich an meine Wange und wärmte sie in der kalten Luft. Dieser Mann konnte küssen, wenn er es nicht sogar erfunden hatte. Ich war froh, dass ich durch seinen Arm am Rücken gestützt wurde, denn ich fühlte mich ungewohnt schwach. Das Blut rauschte durch meine Adern, was ich tosend in meinen Ohren hörte. Wahnsinn!
»Lana«, murmelte er, und ich erkundete mit meiner Hand den Menschen, der mich in einen Zustand versetzte wie keiner zuvor.
Sein Hals war sehnig, die Schultern breit, und ich fragte mich, warum mich die klar definierten Muskeln an Brust und Armen erstaunten. Ich wusste doch, dass Finn Extremsportler gewesen war. Er lief nach wie vor Parcours, kletterte die steilsten Felsen hinauf und hatte in seiner Wohnung ein kleines Fitnessstudio eingerichtet.
Dieser Mann formte seinen Körper, das musste eine Frau entzücken. Eine schmale Taille, kräftige Beine, denen mein etwas zu großzügiges Gewicht offensichtlich nichts ausmachte. Dass er auch genoss, was seine streichelnde Hand entdeckte, spürte ich unter mir nur zu genau. Eine Gänsehaut, die nichts mit der zu tun hatte, die ich zuvor wegen Beale bekommen hatte, kroch über meinen Körper. Und hielt sich an jeder Stelle, an der mich seine Hand liebkoste.
Wir beide waren leichtsinnig, in dieser Situation an Sex zu denken. Aber was redete ich von Denken. Das fiel mir schwer, denn die Empfindungen, die mich gerade überkamen, ließen vernünftige Gedanken in einen undurchdringlichen Nebel aus Lust versinken. Immerhin wusste ich: Was mich erwartete, waren hemmungslose Glücksgefühle.
Seine Hand strich über meine Taille die Hüfte entlang und das Bein hinunter, dann stockte sie. Enttäuscht spürte ich, wie sich sein Mund von meinen Lippen löste. Lachte Finn mich aus?
Ich bog mich zurück, um ihm ins Gesicht sehen zu können und erkannte, dass seine Augen vor Vergnügen funkelten. Bevor ich mich darüber empören konnte, sagte er mit einem Glucksen in der Stimme: »Sollte ich Angst bekommen, Lana?«
Da fiel mir ein, dass er wohl soeben mein kleines Messer am Unterschenkel entdeckt hatte. Ich grinste und erwiderte lockend:
»Als Polizistin muss ich testen, ob der Mann, auf den ich mich einlasse, mutig ist.«
»Hab ich den Test bestanden, Detective?«
»Bis jetzt noch nicht, denn …« Hier fuhr er fort, mich zu küssen, sei es, um seinen Mut zu beweisen oder aus Verlangen. Und ich verschwendete keinen weiteren Gedanken an solchen Unsinn, sondern gab mich seinen Zärtlichkeiten hin.
Gut, ich war nicht auf der Suche nach einem Partner. Aber das hieß ja nicht, dass ich Schönes abblocken musste, wenn es mir über den Weg lief oder diesen ein zweites Mal kreuzte. Ich war erstaunt, wie großartig ich mir meine Gewissensbisse und Vorbehalte selbst ausreden konnte.
»Das Timing ist schlecht, weil die Hütte besetzt ist. Hast du eine Idee, Lana?«, murmelte er an meiner Halskuhle, wobei mir der Atem wegblieb. An dieser Stelle berührt zu werden, ließ mich unglaublich schnell schwächer werden. Doch er hatte recht.
»Wir könnten einen Waldspaziergang machen …«, schlug ich vor. Er stellte mich lässig auf die Beine, erhob sich und schloss mich wieder in die Arme. Was gut war, da ich dank der weichen Knie keinen festen Stand hatte.
Würden wir wirklich in den Wald gehen, um heißen Sex in einer eisigen Nacht zu haben? Ich hatte keine Einwände, und dachte keine Sekunde an ungelenke Bewegungen, um aus diesen Winterklamotten zu kommen, und eisige Luft auf nackter Haut. Offensichtlich war es nicht nur bei Männern so, dass sich im Zustand extremer Erregung das Blut aus dem Kopf verflüchtigte. Ich presste mich an Finn, um ihn erneut zu küssen, denn ich wollte mich noch nicht von ihm lösen. Auch nicht, um vielleicht gleich größere Wonnen zu empfinden.
Da fiel ein Schuss.
Mein Herz erstarrte im selben Augenblick zu Eis. Ich schob Finn von mir, der mich widerstrebend losließ. Bebend und schwer atmend standen wir da und lauschten.
Ein zweiter Schuss, der sich wie der erste an Felsen brach.
»Er ist mindestens zwei Täler entfernt«, war Finns Meinung.
Ich nickte, doch meine Laune war auf dem Tiefpunkt.
»Ja, das glaube ich auch. Nun wissen wir, dass er nicht schläft.«
»Er jagt, dann wird er Feuer machen und etwas essen.«
Finn hatte vermutlich recht. Was aber, wenn der Kerl so irr war, dass er rohes Fleisch vertilgte, um nicht mit einem Feuer die Verfolger anzulocken? Beale war das ohne Weiteres zuzutrauen.
 Ich zuckte zusammen, weil ich an der Hütte eine Bewegung sah. Ein bleiches Gesicht klebte an der Scheibe: Laurel!
Hatte sie den Schuss gehört und war aufgewacht? Oder beobachtete sie uns bereits länger?
»Laurel ist am Fenster, Finn«, raunte ich ihm zu. Er seufzte.
»Das war es wohl mit unserem Waldspaziergang, oder?«
Ich lächelte beinahe erleichtert.
»Für den Moment ja, fürchte ich. Das ist wahrscheinlich überhaupt besser, nachdem ich nicht auf der Suche nach einer Beziehung bin.«
»Zweimal heißer Sex ist bei dir eine Beziehung?«, fragte er grinsend. »Macht nichts, wenn du es bist, stürze ich mich gerne in eine Beziehung. Falls das jetzt pro Jahr einmal Sex bedeutet, wäre es allerdings schade, denn täglich wäre mir lieber.«
»Finn, das erste Mal war ein Ausrutscher. Das wird nicht noch mal passieren!«, fauchte ich ihn an. Sein Blick wirkte gelangweilt, aber seine Antwort passte nicht dazu.
»Dafür, dass du das angeblich nicht willst, reagierst du wunderbar direkt. Du hast mir das schon einmal weisgemacht, aber ich weiß nicht, ob ich dir dieses Desinteresse erneut glauben kann. Ich gebe nicht so schnell auf, Detective. Das sollte neben Mut doch auch eine wichtige Charaktereigenschaft für einen Test sein, nicht wahr?«
Unsicher sah ich ihn an. Er neigte sich zu mir und küsste mich ganz sanft. Laurel würde mich hassen!
Seine Stimme war ein einziges erotisches Raunen.
»Mach dir keine Sorgen, Lana. Nicht meinetwegen. Wie es kommt, so kommt es. Karma und Schicksal spielen ihr eigenes Spiel. Jetzt lass uns hineingehen und versuchen, etwas zu schlafen, damit wir morgen früh aufbrechen können.«


Ich tat in dieser Nacht lange kein Auge zu. Bei jedem Geräusch vor der Hütte fuhr ich zusammen. Meine Hand lag auf meinem Revolver.
Nach Sonnenaufgang musste ich doch noch eingenickt sein, denn ich schrak aus dem Schlaf, weil ich die Hüttentür hörte. Laurel stand da, auf dem Weg zur Toilette vermutlich.
»Laurel, warte!«, bat ich leise und schwang mich mühsam aus der Hängematte. O Gott, ich fühlte mich wie gerädert.
»Was ist? Ich gehe nur ums Eck.«
Ihre Stimme klang hochmütig, aber ich erwiderte, ohne darauf einzugehen: »Du gehst nicht alleine raus, Laurel.«
Finn kam gerade herein, und Laurel sagte rasch:
»Er war auch alleine draußen!«
Finn presste die Lippen zusammen und sah zu Recht nach schlechtem Gewissen aus. Zögernd bekannte er: »Ich wollte dich nicht wecken, du warst die ganze Nacht wach, Lana.«
»Wenn Beale dich erwischt hätte, wäre das umsonst gewesen, Finn. Keiner geht mehr ohne mich irgendwohin. Macht mir das Leben nicht schwer, indem ihr eures riskiert.«
»Was ist denn los?«, fragte das Mädchen nun deutlich blasser im Gesicht als zuvor.
»Erzähle ich euch beim Frühstück. Jetzt komm, wir haben es eilig!«
Während ich auf Laurel, dann ihre Mutter, Vater und Bruder wartete, beobachtete ich den Wald Richtung Süden. Es kam mir vor, als hätten die Bäume Augen. Verdammt! In der Academy hatte man uns immer gesagt, man solle auf seinen Instinkt hören. Raine hatte mir das Gleiche erklärt. Und mein Instinkt schrie lauthals Alarm. Wir mussten so schnell wie möglich weg von hier.
Toby kaute in Windeseile, als ich der Familie die Situation erklärt hatte, wohingegen die Frauen nur wenige Bissen hinunterbekamen.
»Ich bin mir sicher, die Hektik ist übertrieben«, war Dwight Carsons großspurig verkündete Meinung, der in Ruhe sein Brot verspeiste.
 Ich ignorierte ihn. »Packen Sie Ihre Sachen zusammen. Wir fahren in fünf Minuten ab.«
Dann rauschte ich nach draußen und begann nach einem gewissenhaften Blick in die Umgebung, die Boote zu beladen, mit allem, was mir Finn, Toby und Laurel brachten.
»Lass den Wald nicht aus den Augen, Finn!«, befahl ich ihm. »Ich habe Befehl, dass ich mich bei unserer Abfahrt noch mal melden muss.«
»Mach ich. Bitte zieht die Schutzwesten und die Helme auf und setzt euch in die Boote. Wir starten, sobald Lana da ist.«
Ich hörte Gemaule, dass Helme doch auf dem See gänzlich unnötig wären, und überließ Finn seinen nervigen Schützlingen. Rasch begab ich mich ans Funkgerät und hatte Costas, der so müde klang, wie ich mich fühlte, schon nach dem ersten Versuch dran.
»Gibt es was Neues, Costas? Over.«
»Nichts Neues, Lana. Sorry, er scheint sich wieder einmal in Luft aufgelöst zu haben. Over.«
»Das glaube ich nicht. Wir haben heute Nacht Schüsse gehört. Etwa zwei Täler entfernt im Süden, das ist Finns und meine Einschätzung. Du weißt ja, wie schwer so etwas zu orten ist, wenn das Echo hallt. Gib das bitte an die Kollegen weiter. Over.«
Nun war mein Partner hellwach.
»Verdammt, dann ist er euch näher als gedacht, falls er es war. Over.«
»Ja, das sehe ich auch so. Ich versuche, die Carsons zur Abholung zu überreden, ich rechne mir aber kaum Chancen aus. Vor allem der Vater ist leider der beratungsresistente Typ. Sollte ich Erfolg haben, melde ich mich nochmals. Ansonsten brechen wir jetzt sofort auf und starten über den See. Over and out.«
Nach einem kräftigen Fluch aus dem Mund meines Partners, beendete er den Funkkontakt mit: »Viel Glück und beeilt euch. Over and out.«

Die Morgensonne hatte es bisher nicht über die Berggipfel geschafft, sodass der See dunkel vor uns lag. Etwa acht Kilometer hatten wir zu bewältigen, wofür Finn und ich zwei Stunden bräuchten, ohne uns zu verausgaben. Mit den Carsons würden wir leicht die doppelte Zeit brauchen. War es überhaupt zu schaffen, noch am gleichen Tag weiterzugehen? Solange kein Schnee fiel und die Temperaturen nachts nicht unter fünf Grad fielen, konnten wir uns in den Schlafsäcken kurz ausruhen und dann weiterziehen. Jedoch befürchtete ich stark, dass es zu einer Meuterei käme, sobald ich diese Pläne preisgab.
Egal, ich musste versuchen, ihnen die Gefahr klar zu machen. Die harmlose Trekkingtour war zu Ende. Ab sofort ging es möglicherweise um unser Leben.
Vielleicht konnte ich Carson doch noch zum Abbruch überreden. Das wäre die klügste Variante.
Was soll ich sagen: Ich redete mir den Mund fünf Minuten umsonst fusselig. Die Carsons hockten gemütlich in ihren Kajaks und betrachteten die Landschaft, Laurel natürlich stattdessen nur Finn. Erst als ich begann, Beales Verbrechen anschaulich zu schildern, wurde Virginia blass, woraufhin mir ihr Mann Redeverbot erteilte. Finn versuchte ebenfalls, ihnen die Gefahr klarzumachen und bot eine Wiederholung der Tour ohne Zusatzkosten an, sobald Beale gefasst wäre. Davon wollte Carson nichts wissen. Die Frauen zog es zwar nicht auf den See, Laurel jedoch wollte die Gelegenheit, Finn anzuschmachten, nicht so schnell aufgeben. Welche Unvernunft. Aber so ist es eben, wenn Actionfilme und -spiele mit Helden einem stets die sichere Rettung vorgaukeln. Leider war ich weder der grüne Hulk noch Catwoman.
Immerhin erlaubten sie mir, rasch in See zu stechen.

Die Schatten der Berge machten es unmöglich, etwas im See zu erkennen. Weder Pflanzen noch Fische schienen im schwarzen Wasser zu leben. Der Wald zu unserer linken Seite wirkte undurchdringlich und gefährlich, und jedes Mal, wenn etwas knackste, fuhr Virginia zusammen und Laurel quiekte. Wir paddelten meist leicht versetzt nebeneinander, und gelegentlich erzählten entweder Finn oder ich Wissenswertes über die Gegend, die tektonischen Besonderheiten oder Erlebnisse anderer Wanderer. So vergingen die ersten beiden Stunden recht rasch und angenehm und als ich zurücksah, erkannte ich, dass wir bereits die Hälfte der Strecke zurückgelegt hatten. Dennoch würden wir nicht vor Mittag am anderen Ufer ankommen.
Als hätte sie meine Gedanken gelesen, begann Laurel zu jammern.
»Ich muss mal ans Ufer, Finn.«
Er warf mir einen fragenden Blick zu, und ich hob die Schultern.
»Ich nehme an, es ist dringend und kann nicht mehr bis zu unserem Ziel warten, Laurel?«, fragte ich ruhig.
Sie sah mich entsetzt an. »Nein, ich muss mal. Das halte ich keine zwei Stunden mehr aus.«
»Wenn wir schon anhalten, würde ich vorschlagen, dass wir alle diesem Bedürfnis nachgehen. Egal wie wenig dringend es bei dem einen oder anderen ist. Je seltener wir anlegen müssen, desto sicherer ist es für uns.«
Der abwertende Schnauber von Carson Senior zeigte mir, dass er nach wie vor keine Gefahr erkennen konnte.
Wie verdiente dieser Mann gleich wieder sein Geld? Durfte man in dieser Position tatsächlich so dumm sein? War ein Mindestmaß an Intelligenz keine Voraussetzung für einen Führungsposten? Ich sparte mir eine Antwort.
Carson wies auf das rechte Ufer und die Moorwiesen.
»Da wären eine nette Bucht und ein paar hohe Büsche. Ich schlage vor, wir legen dort an!«
»Das können Sie gerne machen, Mr. Carson. Ich muss allerdings darauf hinweisen, dass das Moorwiesen sind. Das bedeutet, dass Sie mindestens knietief in den Boden einsinken werden.«
»Unsinn! Sehen Sie die Rehe? Die stehen doch auch ganz normal da.«
In diesem Moment flog ein Steinadler über die Gruppe Rehe, neben der ein Moorhuhn panisch hochflatterte. Die Rehe schossen nach allen Seiten davon, und wir konnten deutlich erkennen, dass die Wassertropfen spritzten. Ich verkniff mir ein spöttisches Grinsen und Mr. Carson einen weiteren Wunsch nach seiner Bucht.
Ich übernahm die Spitze der Gruppe und bat Finn: »Warte noch ein wenig, ich sehe mich erst um!«
Er nickte, und sein Gesicht nahm einen besorgten Ausdruck an.
Toby und ich beschleunigten und glitten rasch auf den dichten Wald zu, der nun freundlicher und grüner schien, da die ersten Sonnenstrahlen die Baumspitzen erhellten.
 Wir drehten das Boot längsseits und ich kletterte ans Ufer. Wurzelschlingen auf weichem Nadelboden, dazwischen niedrige Blaubeersträucher, allerlei Gestrüpp und wohlduftende Fichten und Kiefern warteten auf mich.
»Toby, halte dein Paddel in der Hand bereit. Wenn ich etwas Bedenkliches sehe, müssen wir schnell weg.«
»Okay.« Sein junges Gesicht wirkte angespannt. Er schien realistischer veranlagt zu sein als sein Dad.
Ich stand einen Moment reglos und lauschte. Hinter mir auf dem See hatten die beiden anderen Boote klugerweise das Paddeln eingestellt. Ich vernahm nur Vogelgezwitscher, was ein gutes Zeichen war. Vorsichtig trat ich unter die Bäume und zog außerhalb Tobys Sichtweite meinen Revolver. Man konnte nie wissen!
Es knackste ein Stück weiter im Wald, aber das Gezwitscher blieb fröhlich. Bald traf ich auf den Waldpfad, auf dem Wanderer den Beaver Lake umrunden konnten. Dort waren keine frischen Spuren zu entdecken. Die ganze Umgebung wirkte, als habe es schon einige Male geregnet, seit der letzte menschliche Fuß den Boden berührt hatte. Ich ging den engeren Umkreis unseres Anlegeplatzes ab, um sicherzugehen. Bevor ich zum Ufer zurückkehrte, erledigte ich das Notwendige hinter einem Busch. Dann winkte ich den anderen, die nach wenigen Minuten anlegten und ausstiegen.
»Bleiben Sie in der Nähe und kommen Sie bitte sofort zurück, wenn Sie fertig sind.«
Alle verschwanden hinter den Büschen und Bäumen der Umgebung. Finn war schnell wieder bei mir und übernahm die Wache bei den Kajaks, während ich meine Aufmerksamkeit auf den Wald richtete. Wir standen nebeneinander auf dem weichen Uferstreifen.
»Du bist nervös, Lana. Hörst du etwas?«
Seine Hand legte sich auf meine, und ich wandte den Blick vom Wald zu ihm. Seine Miene war ernst.
»Glaubst du mir wenigstens, dass die Gefahr reell ist?«, fragte ich in bitterem Ton.
»Absolut. Trotzdem solltest du wissen, dass ich volles Vertrauen in dich habe.«
Ich seufzte. »Das ist nett, aber ich habe nicht viel dagegenzusetzen, wenn jemand, der so einfallsreich ist wie Beale, an uns herankommen will. Vor allem wird mir die Chance euch zu schützen erschwert, weil jeder macht, was er will.«
»Treib es ihnen aus, Lana! Du hast doch Raines Erlaubnis, Carson in den Arsch zu treten. Und erzähl mir nicht, dass es dich nicht juckt, genau das zu tun.«
Das Grinsen fiel mir schwer. Natürlich juckte mich diese Idee. Trotzdem war mir als Einziger hier bewusst, dass Beale kein einfacher Mörder war.
»Ich bin an deiner Seite, Lana. Vergiss das nicht. Du trägst die Verantwortung nicht allein.«
Ein Schatten fiel kurz über sein Gesicht. Oder war es der über uns kreisende Adler gewesen? Finns Hand zog mich an seinen Körper, und einen Moment vergaß ich, wo wir uns befanden. Ich gab seinem drängenden Kuss nach, der keineswegs tröstlich wirkte, sondern dort weitermachte, wo wir in der Nacht aufgehört hatten.
Als ich ein lauteres Knacksen hörte, zuckte ich zusammen und löste mich von ihm. Seine Augen funkelten so lebendig, wie ich es schon einmal vor einem Jahr gesehen hatte. Meinte er das ernst mit uns? Oder hatte ich Finns Jagdtrieb geweckt?

Als ich aus der Richtung des Knacksens die Stimme von Dwight Carson hörte, atmete ich zunächst erleichtert auf. Natürlich war meine Bitte wie ein rotes Tuch für einen Stier gewesen, woraufhin dieser Idiot selbstverständlich das Gegenteil tun musste. Der Mann benahm sich darüber hinaus wie ein Elefant im Porzellanladen. Er besaß keinerlei Gespür dafür, dass man in der freien Natur nicht rumbrüllen musste und sollte.
»Seht mal hier, Laurel, Toby! Hier der Haufen Scheiße, da war was Größeres unterwegs.«
Ich zuckte zusammen. Wohin gingen die drei? Es klang weiter entfernt als eben. Und ich wusste nur zu gut, dass in diesen Wäldern tatsächlich auch Größeres unterwegs war.
Rasch sagte ich zu Finn: »Ich hol sie. Bleib da.«
In diesem Moment trat Virginia zu uns, und ich bat sie bei Finn zu warten. Ich joggte in die Richtung, aus der ich immer noch die Stimme des Vaters hörte. Nun fiel mir etwas anderes auf: Das Vogelgezwitscher war verstummt. Und im nächsten Augenblick verstand ich den Grund.
Ein dunkles Brummen ertönte, gefolgt von einem schrillen Schrei Laurels. Verdammt, der Mann hatte einen Schwarzbären aufgestöbert. Im Allgemeinen mieden die Bären den Menschen, außer man verführte sie mit Wohlgerüchen wie den Resten eines Picknicks. Wenn man auf einen Bären traf, gab es Ratschläge zum Verhalten: Ruhig bleiben, nicht schreien, nicht rennen. Langsam entfernen oder stehen bleiben.
Die drei Carsons taten natürlich nichts von alledem.
Sie brachen wie flüchtende Rehe unter den Bäumen hervor, rennend und schreiend. Direkt auf mich zu.
Und im Hintergrund sah ich zwischen den Bäumen die dunklen Umrisse von Meister Petz auftauchen. Stehenbleiben und ruhighalten war nun sinnlos.
»Weiterlaufen! Und hört auf zu schreien!«, befahl ich ihnen, was sie tatsächlich befolgten. Die Kajaks waren bereits in Sichtweite, als Laurel stolperte und mit einem Schrei zu Boden stürzte. Die Männer bremsten ab, aber ich ließ es nicht zu.
»Schaut, dass ihr in die Kajaks kommt und ablegt. Bären können schwimmen.«
Ich riss Laurel auf die Füße und zog das wimmernde Mädchen mit, indem ich ihren Arm über meine Schultern legte.
Finn hatte die Gefahr erkannt und sich kluge Gedanken gemacht.
Er befahl Toby, sich in meinem Kajak zum Paddeln bereitzuhalten.
»Lana und Laurel müssen schnell einsteigen, und wir beiden legen in der Sekunde los, in der sie halb im Boot sind. Dann geht es so weit wie möglich in den See hinaus. Mr. und Mrs. Carson, Sie müssen nicht warten – vorwärts!«
Virginias weißes Gesicht zeigte, dass sie am liebsten auf ihre Kinder gewartet hätte, aber sie befolgte Finns Befehl. Ihr Mann wirkte verbissen, doch auch er tat das Angeordnete.
Ich schob das Mädchen vor Finn ins Boot. Dabei ignorierte ich Laurels Wimmern, denn selbst wenn es wehtat, war ihr Fuß jetzt nebensächlich. Kräftig gab ich dem Kajak einen Stoß. Dann sprang ich eilig auf meinen Platz hinter Toby, der sofort das Paddel ins Wasser stieß und Tempo aufnahm. Ein kluger Junge!
Hinter uns brach der Bär mit lautem Gebrumme aus dem Wald. Als ich einen Blick zurück wagte, während meine Armmuskeln wegen des hohen Tempos brannten, sah ich, dass er sich kurz aufrichtete. Nach einem ohrenbetäubenden Wutbrüller fiel er wieder auf alle Viere und verschwand im Wald.
Schweratmend trafen wir uns in der Mitte des Sees. Mr. Carson wirkte jetzt beinahe amüsiert, wohingegen seine Frau von der Anstrengung keuchte.
»Na, und ich dachte immer, dass Bären schneller rennen als Menschen. Alles eine Mär?«
Finn erwiderte gepresst: »Der Bär war ein wenig ungehalten über die Störung, aber nicht wütend. Sollten Sie mal eine Bärenmutter treffen, dann sehen Sie, wie schnell sie werden können.«
Carson winkte lässig ab, und ich spürte, wie Zorn in mir hochstieg. Finn sah es mir an und sagte warnend: »Lana!«
»Was?«, schnappte ich. »Darf nur Mr. Neunmalklug etwas sagen?«
Über das Gesicht des Vaters huschte ein ungläubiger Ausdruck.
»Reden Sie von mir? Was erlauben Sie sich, Detective?«
Es machte Pling, als ich meinen Geduldsfaden reißen hörte, der in den letzten Tagen wirklich ungewöhnlich gut gehalten hatte.
»Wollen Sie mich verarschen, Sir?«, fuhr ich ihn an, wobei ich das Sir betonte.
»Seit Sie auf dieser Tour dabei sind, machen Sie nur Unsinn, der andere in Gefahr bringt. Damit ist ab sofort Schluss! Sie werden sich jetzt an die Regeln halten, sonst erleben Sie Polizeigewalt. Wie kann man so dumm sein, einen Bären zu reizen?
Habe ich gesagt, Sie sollen spazieren gehen? Oder vielleicht eher, dass wir so kurz wie möglich an Land gehen und uns nicht weit entfernen? Was machen Sie? Sie stolzieren durch die Gegend, weil Sie aus kindischem Trotz immer das Gegenteil von dem tun möchten, was ich aus gutem Grund anordne! Und als Sie einen Haufen Scheiße finden, der nicht von einem Eichhörnchen stammt, machen Sie keineswegs eine vernünftige Kehrtwendung, sondern locken mit Ihrem angeberischen Geplärre alles an, was Gefahr bedeutet.
Sie können heute auch noch auf Pumasuche im Gebirge gehen, wenn Ihnen langweilig ist. Aber das machen Sie gefälligst allein, weil Sie in dem Moment nicht mehr Bestandteil unserer Gruppe sein werden! Ich lasse nicht zu, dass Sie ein weiteres Mal jemanden in Gefahr bringen, haben wir uns verstanden?«
Carson wuchs in dem Kajak und wollte wohl gerade das Brüllen anfangen, doch ich gab ihm keine Chance.
»Ein einfaches, klares Ja genügt, oder Sie steigen drüben in den Moorwiesen aus und waten nach Hause.«
Er schluckte schwer. Seine Frau legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter, die er unwillig abschüttelte. Mein wütender Blick ließ ihn nicht los, und so brummte er: »Ja.«
Ich würdigte ihn keines weiteren Wortes, sondern begann in Richtung Ziel zu paddeln. Hinter mir herrschte betroffenes Schweigen.
Wir glitten nun schneller dahin. Ich gab das Tempo an, Toby hielt ebenso mit wie auch Finn, obwohl der mit der immer noch wimmernden Laurel keine Hilfe hatte. Ob Mr. Carson mitkam, war mir völlig gleich. Aber ich konnte hören, dass das dritte Kajak nicht weit zurücklag. Kraft hatte er, das gestand ich ihm zu.
Ab und zu warf ich einen Blick zum Wald hinüber, der jetzt in der Mittagssonne lag und beinahe märchenhaft verträumt schien. Ich stutzte: Hatte sich dort ein Schatten bewegt? Mit zusammengekniffenen Augen ließ ich die Stelle nicht aus den Augen.
»Lass uns einen Moment ausruhen, Toby«, sagte ich leise, und der Junge ließ das Paddel sinken.
»Puh, ist mir sehr recht. Wir hatten ein ganz schönes Tempo drauf. Sind Sie immer so schnell unterwegs, wenn Sie keiner bremst?«
Ich lachte. »Nur wenn ich stinksauer bin.«
Nach wenigen Schlägen hatte Finns Boot uns eingeholt. Ich sah mir Laurel an. Sie hatte wohl geweint, nun traf mich wieder ein zorniger Blick. Zu sagen wagte sie nichts nach meiner Ansage von vorhin.
»Was ist mit deinem Fuß, Laurel?«
»Tut weh!«, brummte sie.
»Ist er geschwollen?«, fragte ich ruhig, und sie hob ihn hoch – im Schuh.
»Kannst du so sehen, ober er geschwollen ist?« Mein spöttischer Tonfall ließ sie erröten, aber sie tastete den Knöchel ab, um daraufhin das Gesicht zu verziehen.
»Ja, er ist dick.«
»Wenn ich dir einen Rat geben darf: Nimm dein Halstuch ab, mach es nass und kühl den Knöchel. Dann kannst du nachher besser gehen.«
»Wohin gehen?«, fragte sie entsetzt. Nun waren auch ihre Eltern neben uns angekommen, und Virginia beugte sich besorgt zu ihrer Tochter. Da das Kajak zu schaukeln begann, ließ sie das rasch wieder bleiben.
»Die Hütte liegt nicht weit vom See entfernt etwas unterhalb des Geröllfeldes. Siehst du den Felsen über dem See? Dahinter müssen wir in jedem Fall heute noch. Wenn nicht sogar gleich weiter wegen der Gefahr durch den Flüchtigen.«
»Ich kann heute nicht mehr weit laufen, Finn.«
Na klar, mir konnte man das ja nicht sagen, weil ich ständig kleine Mädchen fresse. Trotzdem war ich es, die ihr antwortete.
»Und keiner von uns kann dich lange tragen, also kühl den Fuß, solange wir in den Booten sitzen.«
Auf weitere Diskussion ließ ich mich nicht ein. Stattdessen behielt ich den Wald im Auge. Eine böse Vorahnung ließ mir einen Schauer über den Rücken rieseln. Schatten, sich bewegende Äste, Rascheln und der Schrei eines Fuchses waren alles Dinge, die zu einem Wald gehörten, dennoch spürte ich, dass da etwas anderes war. Unheilvoll und unnatürlich!
»Lana?«, vernahm ich Finns fragende Stimme, der sein Boot neben mich gezogen hatte.
»Ich weiß nicht … Ich hab ein blödes Gefühl«, murmelte ich so leise, dass nur er mich hörte. Tobys Aufmerksamkeit war auf seine Schwester gerichtet, die sich mit ihrem Halstuch abmühte, den Knöchel einzuwickeln.
»Sie wird nicht weitergehen können«, fasste Finn meine Gedanken in Worte. Ich nickte.
»Wir werden dort übernachten müssen, Finn. Verdammter Mist! Ich kann beinahe spüren, dass er aufholt. Halte deine Augen offen.«

Wir fuhren die restliche Strecke nicht mehr so hastig, da wir heute sowieso nicht weiter kämen als bis zu der Hütte.
Im Wald ließ sich nichts Ungewöhnliches entdecken, aber jemand, der unsichtbar bleiben wollte, musste sich nur zwei Baumreihen hinter dem Ufer halten.
»Wenn dieser Mann kommt, Lana …?«
Toby war verunsichert, und ich bemühte mich, ihn zu beruhigen.
»Ich halte Wache, und wir werden uns zu wehren wissen.«
»Dad hat seine Waffe daheim gelassen. Obwohl er sie sonst immer mitnimmt.«
Carson mit einer Waffe, das ginge mir noch ab. Vermutlich würde er mit Begeisterungsschreien auf Rehe schießen, während uns Beale hinterrücks die Kehlen durchschnitt.
»Hm, Finn kann ebenfalls mit einer Waffe umgehen.«
Dass Finn Waffen mied, so gut er konnte, erwähnte ich ebenso wenig wie sein mangelhaftes Schießtalent.
»Dad ist gut beim Schießen«, nun klang der Sohnemann tatsächlich begeistert.
»Hat er einen Waffenschein?«
»Ja, klar! Er übt auch viel.«
»Ich behalte es im Hinterkopf, Toby. Es ist gut zu wissen, aber vorrangig bin ich nicht der Meinung, dass Privatleute in der Gegend rumballern sollten.«
»Unser Präsident sagt, dass jedem Mann eine Waffe zusteht, um seine Familie und sein Heim zu verteidigen!«, war seine Antwort. Wer ihm das wohl vorgebetet hatte?
Ich seufzte. Wie sehr mir diese Diskussion zum Hals raushing!
»Mal abgesehen davon, dass dieser Präsident nicht von mir gewählt wurde und ich froh bin, wenn seine Amtsperiode schnell vorübergeht, gibt es genug schreckliche Vorkommnisse, bei denen Unschuldige durch die Waffe eines Laien umgekommen sind. Es sterben mehr Menschen in den USA durch Fehleinschätzungen und Versehen als durch Verbrechen.«
Er drehte sich zu mir um und starrte mich fassungslos an. »Echt jetzt?«
Ich nickte. »30.000 Tote pro Jahr, das sind in zwei Jahren so viele, wie damals der Vietnamkrieg gefordert hat.«
»Warum dürfen dann alle Waffen haben?«
Ich seufzte wieder.
»Obama hat versucht, das zu ändern, nachdem es mehrere Massaker an Schulen und in einem Kino gegeben hatte. Er wollte wenigstens stärkere Kontrollen, keine Waffen für psychisch Kranke und eine reduzierte Patronenanzahl in den Magazinen. Mit Sturmgewehren kann man eben sehr schnell eine große Anzahl an Menschen töten. Aber gegen ihn standen die Waffenlobby und die National Rifle Association. Die berufen sich auf das verfassungsmäßig festgeschriebene Gesetz, das jedem Bürger der USA erlaubt, eine Waffe zu tragen. Immerhin haben viele Staaten festgelegt, dass Waffenbesitz gemeldet werden muss. In jedem zweiten Haushalt gibt es eine Waffe. Und jetzt überleg mal, in wie vielen Haushalten ein Trottel lebt oder ein Typ mit Selbstbewusstseinsproblemen, ganz zu schweigen von denen, die gerne Rambo und Co. anschauen und beim exzessiven Videospielen den Bezug zur Realität verloren haben? Kein gutes Gefühl, finde ich.
Und was macht unser aktueller Präsident, der sowieso nicht allzuviel Vernunft von Gott mitgegeben bekommen hat? Er schafft die neuen, angemesseneren Gesetze gleich wieder ab. Ist ja klar, er will seine vielen superreichen Freunde, die an den Waffenverkäufen verdienen, nicht vor den Kopf stoßen. Sie sollen ihn ja bei der nächsten Wahl wieder mit viel Geld unterstützen.«
Toby schwieg, und ich konnte es ihm ansehen, dass es in seinem klugen Köpfchen ratterte. Wir verloren an Tempo, weil wir beide das Paddeln eingestellt hatten, um uns besser unterhalten zu können. Finn und Laurel zogen an uns vorbei – vielmehr nur Finn, da das Prinzesschen den Fuß nach oben streckte und das Paddel lässig quer über das Boot gelegt hatte. Die Eltern Carson waren ein Stück weit hinter uns.
Tobys Augen fixierten mich immer noch.
»Und was sagen Sie zum legalen Cannabis-Konsum, Lana?«
Ich grinste, das klang nach einem Schulreferatsthema.
»Habt ihr in der Schule darüber gesprochen?«, fragte ich, und er nickte.
»Ich persönlich finde es für ärztliche Medikation sinnvoll, sprich, wenn es für Krebskranke im Endstadium zur Schmerzvermeidung und Stimmungsaufhellung verwendet wird. Legaler Konsum wäre kein Problem, hätten die Leute sich im Griff. Doch viele sind einfach süchtig danach und rauchen, was das Zeug hält. Klar, sie sind dann cool und lässig drauf, aber eben leider auch völlig neben der Spur, was Reaktionsvermögen und vernünftige Gedanken angeht. Sie gehören keinesfalls an das Steuer eines Wagens oder in den Besitz einer Waffe.«
»Mein Lehrer sieht das genauso«, meinte Toby nachdenklich. »Er hatte nach dem Thema Besuch von einigen Eltern, die sich bei ihm über seine altmodische Einstellung beschwert haben.«
»Ja, und wenn das erste Elternpaar ihr Kind bei einem Verkehrsunfall mit Todesfolge verloren hat, weil es im zugekifften Zustand den Abstand zum nächsten Baum überschätzt hat, ist das Gejammer groß. Aber was soll’s? Wir beiden werden es nicht ändern können, mein Freund.«
Er sah mich beinahe wütend an, denn er glaubte mir meine laxe Aussage.
»Immerhin können wir versuchen, andere zu überzeugen, oder nicht?«
Ich nickte, ein bisschen stolz auf ihn, weil er es begriffen hatte, obwohl er in meine Falle getappt war.
»Ja, da hast du recht, Toby. Jeder, der vernünftige Meinungen hat, sollte sie in die Welt hinausschreien. Die Unvernünftigen machen auch nichts anderes und müssen daher übertönt werden. Dringend!«
Toby drehte sich zufrieden um, und wir nahmen wieder Fahrt auf. Bald hatten wir Finn eingeholt und glitten nun nebeneinander her.
Ich fragte Finn: »Ist dir etwas aufgefallen?« und nickte zum Waldufer. Er schüttelte den Kopf. »Nichts!«
»Ich würde gerne ein bisschen vorausfahren und weiter vorne aussteigen und nach Spuren schauen.«
Finn grinste. »Du wärst schon dort, wenn ihr nicht mit dem Paddeln aufgehört hättet.«
Ich lachte und Toby drehte sich um. Laurels neugieriger Blick ruhte auf ihrem Bruder und mir.
»Manche Gespräche sind es wert, Zeit zu verlieren, nicht wahr, Toby?«
Der Junge salutierte recht geübt, passend zu unseren Waffengesetzgesprächen. Vermutlich spielten Vater und Sohn daheim gerne GI im Keller oder Garten.
»Dann mal los. Du setzt mich bitte kurz vor dem Waldrand ab, junger Mann, und folgst ab da Finn. Okay?«
Toby nickte, und wir paddelten Richtung Ufer. Dort ließ er mich aussteigen, wendete das Boot und glitt zur Seemitte zurück.

Der Wald war still – zu still, als ich ihn betrat. Dabei wirkte er so harmlos. Die Sonne schien zwischen den hohen Ästen gelegentlich bis auf den weichen Moosboden durch. Pilze standen malerisch an knorrigen Stämmen. Eine Amsel begann über mir zu singen, doch dies war der einzige Laut, den ich vernahm.
Bald traf ich auf den Wanderpfad, der auch hier keinerlei frische Spuren aufwies. Aber würde ich an Beales Stelle tatsächlich einen regulären Touristenpfad entlangtrotten? Nein, ich würde mir weiter vom Ufer entfernt einen Weg suchen. Vorsichtig bahnte ich mir eine Spur um niedriges Astwerk herum, um ein Knacksen zu vermeiden. Wieder wartete ich bewegungslos, um zu lauschen. Im Wald keckerte ein Eichhörnchen, sonst war es still. Dann hörte ich ein Rieseln kleinerer Steine vom Berg her. Ich versuchte, eine freie Sicht in Richtung Geröllfeld zu erhaschen, befand mich jedoch zu tief zwischen den Bäumen.
Mit einem Mal blieb mein Blick am Boden vor mir hängen, und mein Atem stockte. Langsam ging ich in die Hocke und verfolgte mit den Augen die deutlich sichtbare Spur, die von Südosten herankam und im Nordwesten auf die Berge zu verschwand. Wanderstiefel in Männergröße, das war klar. Was diesen Fund besonders verdächtig machte, war, dass der Wandersmann probiert hatte, die Spuren zu verwischen. Vermutlich hatte er einen Zweig hinter sich hergezogen, denn ab und zu entdeckte ich leichte Schleifspuren. Gelegentlich fand ich Blätterhaufen, die er mit dem Fuß auf die Spur gezogen oder geschoben hatte. Ein anderes Mal hatte er einen Haufen Reisig verteilt. Wäre ich auf eine dieser Stellen getroffen, hätte ich seine Abdrücke nicht bemerkt. Ich blickte auf die Strecke, die noch vor mir lag, bis ich den schützenden Wald verlassen musste.
Die anderen warteten sicher mit den Booten schon am Ufer. Wenn sie nicht aufpassten, konnte Beale mit seiner Waffe ein Blutbad anrichten oder sie zum Aussteigen zwingen. Hatte er uns beobachtet? Dann wusste er mit tödlicher Sicherheit, dass ich ausgestiegen war. Mein Atem ging schneller.
Dennoch würde ich nicht unvorsichtig werden, denn das nützte niemandem. Ich bewegte mich zum Ufer, um einen Blick auf den See und meine Mitreisenden zu erhalten und zugleich einen aus den Bergen Herannahenden sofort erkennen zu können. Beale war vermutlich kein Scharfschütze, aber aus der Deckung eines Felsens auf gut sichtbare Personen am Ufer eines Sees zu ballern und sie zu treffen, dafür reichte auch ein bisschen Glück zu durchschnittlichen Schießkünsten.
Wieder rieselte Geröll den Hang herab, ohne dass man etwas oder jemanden sehen konnte, der es auslöste.
Ein weiteres Mal schlich ich in den Wald, um zu prüfen, ob die Spur bis zu dessen Grenze führte. Sie tat es, dann bog sie ab, den Waldrand entlang, vom Berg wegführend. Ich folgte ihr noch zehn Minuten, doch sie machte nicht mehr kehrt.
Ich dagegen begab mich auf den Rückweg. Als mich die anderen am Ufer erblickten, begannen sie auf mich zuzupaddeln. In Finns Augen sah ich eine unsichere Frage. Er las in mir wie in einem Buch, obwohl er mich nicht besonders gut kannte. Aber so ist das mit sensitiven Männern, denen kann frau nichts vorspielen. Auf den Gesichtern der Carsons stand Erleichterung.
»Lana, haben Sie etwas gefunden?«, fragte Virginia, und ich zögerte.
»Es gibt eine Spur, die nach dem Wald abbiegt.«
»Wie groß ist die Chance, dass er uns tatsächlich ein- oder sogar überholt hat?«, fragte Carson ruhig, und ich sah ihn erstaunt an. Hatte er doch ein Hirn und es jetzt aktiviert?
»Ich kann es nicht sicher sagen, Mr. Carson. Beale kennt sich in der Wildnis aus. Er kommt ohne viel Schlaf aus. Andererseits hat seine Kondition in den letzten Wochen in der Untersuchungshaft gelitten, und die Schüsse heute Nacht waren noch mindestens zwei Täler entfernt. Was man jedoch nicht vernachlässigen darf: Bei dem Mann geht es um Leben und Tod. Es ist gut möglich, dass er die Nacht durchgelaufen ist und uns überholt hat.«
»Was glauben Sie persönlich?«, hakte er nochmals nach, und ich antwortete ehrlich: »Ich hab ein verdammt mieses Gefühl. Die Spur war teilweise mit Absicht verwischt. Ich bin ihr eben nur zehn Minuten in die andere Richtung gefolgt. Ich traue ihm ohne Weiteres zu, dass er eine Stunde nach Norden rennt, und gleich darauf zurück, um uns zu täuschen. Solche Spielchen machen ihm Spaß.«
»Sie jagen uns Angst ein, damit wir weiterwandern, nicht wahr?«, warf nun erstaunlicherweise Virginia mir vor. Aber ich verstand ihren Beweggrund, als sie fortfuhr.
»Laurel ist verletzt. Sie kann heute nicht mehr weiter.«
Ich nickte ruhig.
»Das sehe ich auch so. Leider, denn es wäre besser durchzumarschieren. Wir sichern jetzt die Kajaks. Finn kann sie demnächst zur Ranch zurückbefördern. Dann machen wir uns auf den Weg zur Hütte.«
»Kann man uns nicht hier abholen?«, fragte Laurel mit bleichem Gesicht nach.
»Hierher gibt es keine Straße, Laurel. Finn muss die Kajaks wieder über den See bringen. Dort, wo wir heute Morgen waren, kann man sie abtransportieren, und hätte uns abholen können.«
»Warum haben wir uns nicht abholen lassen?«, fragte das Mädchen nun motzig.
»Das wäre auch Finns und mein Vorschlag gewesen.«
Mehr sagte ich nicht, aber Carsons Kopf wurde leicht rot. Das Mädchen begriff und schwieg peinlich berührt.
Wir hievten die Boote auf den Kies und schulterten unser Gepäck. Finn trug zusätzlich Laurels Rucksack und Mr. Carson hatte sich den Arm seiner Tochter um den Hals gelegt und half ihr vorwärts zu hüpfen. Nach einiger Zeit wurde er von Finn abgelöst. Toby hatte seine Mutter an der Hand, sobald es rutschiger wurde. Virginia neigte dazu, sich sofort auf den Hosenboden zu setzen, wenn sie keinen festen Boden unter den Füßen spürte. Das verzögerte das Vorwärtskommen auf diesem Pfad, der sich durch Gestrüpp und Geröll wand, gewaltig.
Ich ging mit ein paar Metern Abstand voraus und beobachtete immer wieder den Wald und die direkte Umgebung, soweit ich sie einsehen konnte. Doch obwohl sich kein Geröll löste, das nicht durch unsere Füße angestoßen worden war, trotzdem ich keine verdächtigen Schatten, Bewegungen und Spuren sah, wurde mein mieses Gefühl keinen Deut besser.
Endlich tauchte die Hütte vor mir auf. Ich zog meine Waffe und umkreiste sie zunächst vorsichtig. Die Läden der beiden Fenster waren zugeklappt und verriegelt, es gab keinerlei Hinweis darauf, dass sich hier jemand in der Nähe befand. Rasch testete ich die Tür, auch sie war verschlossen. Finn trug den Schlüssel bei sich.
Nun steckte ich meine Pistole wieder ein und nahm das Gewehr vom Rucksack ab. Ich entsicherte es und trat an den Felsen, der den Blick auf den See von der Hütte aus verbarg. Mühsam näherten sich meine Mitreisenden und gäben ein gutes Ziel ab, sollte es Beale darauf anlegen. Sorgsam überwachte ich ihren Aufstieg und das umliegende Gelände, die Waffe im Anschlag.
Endlich hatten sie das Plateau erreicht. So rot der Kopf von Virginia Carson war, so blass war das Gesicht ihrer Tochter. Laurel hatte offensichtlich Schmerzen. Ich würde mir den Knöchel in der Hütte genauer anschauen müssen.

Finn übergab Laurel wieder an ihren Vater und sperrte die Hüttentür auf. Ich hielt ihn zurück, als er hineingehen wollte und zog erneut meine Pistole. Damit war ich wendiger in engen Räumen. An den Türrahmen gepresst wagte ich einen vorsichtigen Blick ins Innere, ehe ich eintrat.
Diese Hütte war genauso dunkel und muffig wie die letzte, bevor sie geheizt wurde. Sollten wir heizen? Hetzte uns der Rauch möglicherweise Beale auf den Hals?
Oder war er schon weit genug in die andere Richtung unterwegs? Falls er uns auf dem Kieker hatte, dann war es gleichgültig, ob Rauch aus dem Schornstein dampfte oder nicht.
Ich trat ans Funkgerät, und mir wurde kalt. Jemand hatte darauf eingeschlagen. Die Drähte hingen heraus, die Tasten waren verbogen, das gesamte Gerät also unbrauchbar.
Beale war hier gewesen, vor uns! Er wusste, dass wir hierher kämen und behielt uns im Auge. Aus welchem Grund? Dazu fiel mir nur einer ein! Ich sprang zur Tür.
»Rein mit euch, sofort!«
Ich baute mich mit dem Gewehr im Anschlag neben dem Eingang auf, bis alle die Hütte betreten hatten. Dann schloss ich die Tür und verriegelte sie. Ebenso verfuhr ich mit dem Laden des einen Fensters zum Berg hin. Den zweiten, seezugewandten Laden ließ ich offen und stellte mich ans Fenster, um die Gegend im Auge zu behalten. Nun sah ich in die Runde und erblickte blasse Gesichter.
Finn sprach es aus: »Das Funkgerät war letzte Woche noch in Ordnung, Lana. Das war er, Beale, nicht wahr?«
Ich nickte ernst. »Alles andere hieße an Märchen glauben. Wie ist er hier hereingekommen, Finn? Du hattest den Schlüssel.«
Wir blickten uns an, und mir ging ein Licht auf.
»Der übliche Platz hinter dem Regenwasserfass?«, fragte ich und er nickte.
Ich seufzte. Natürlich war auch bei dieser Hütte ein Zweitschlüssel versteckt. Den Ort kannten versierte Wanderer, damit sie in einem Notfall, wie einer plötzlichen Wetterverschlechterung, Schutz suchen konnten. Diese Möglichkeit wurde niemals für Diebstähle oder Vandalismus missbraucht, daran hielt sich jeder zu seinem eigenen Vorteil. Bis auf Beale!
»Warum sollte er sich überhaupt mit uns aufhalten wollen? Vielleicht ist er schon wieder weitergezogen? Sie haben doch die Spur am Wald entdeckt, die woanders hinführte, Lana!«
Virginias Stimme flehte um eine milde Lüge, doch eine solche konnten wir uns nun nicht mehr leisten.
»Das wiederum hieße, auf Wunder zu hoffen. Tut mir leid, aber ich denke, wir sind in akuter Gefahr. Beale ist ein psychisch kranker Massenmörder. Ihm machen Spielchen Spaß, bei denen andere Todesangst empfinden.«
Finn schüttelte unwillig den Kopf.
»Zu brutal ausgedrückt, mein Freund?«, fragte ich sanft. Er sah mich aus diesen harmlosen Augen an.
»Du musst ihnen nicht noch mehr Angst machen, Lana, als sie bereits haben!«
»Er hat dafür gesorgt, dass wir keine Hilfe anfordern können. Das hätte er nicht getan, wenn er sich unauffällig davonmachen wollte. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ihm die Flucht weniger wichtig ist als sein Spaß.«
Finn biss die Zähne zusammen, weil ich nicht nachgab. Dann erkundigte er sich ruhig: »Was schlägst du vor?«
»Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Erstens: Du gehst mit allen, die laufen können, weiter und schaust, dass du in sicheres Gebiet kommst. Du holst Hilfe, und ich warte hier mit Laurel.«
Virginia begann zu weinen, und Laurel schien sprachlos zu sein. Ihre grünen Augen waren panisch aufgerissen.
»Gehen Sie doch mit ihnen, und Finn bleibt bei mir.«
»Lana schießt besser als ich, Laurel«, war seine einfache, aber klare Aussage, die mir zeigte, dass er meine Beweggründe nachvollziehen konnte.
»Was ist, wenn er uns anderen abfängt? Dann können wir keine Hilfe schicken«, war Carsons Einwand. Seine blauen Augen hatten den wichtigtuerischen Ausdruck verloren. Er wusste, dass er die Schuld daran trug, dass seine Familie hier in der Falle saß.
»Der Mann hat es auf junge Frauen abgesehen. Ich will nicht, dass Laurel hier zurückbleibt!« Virginia liefen die Tränen über die Wangen, und sie ließ die Hand ihrer Tochter nicht los. Ich hatte nicht wirklich mit dem Einverständnis meiner Trekkingpartner gerechnet, aber ein Versuch war es wert gewesen.
»Möglichkeit zwei: Wir bleiben zusammen und wechseln uns mit der Wache ab. Meine Kollegen vom PD sind in unsere Richtung unterwegs, weil ich sie über die Schüsse heute Nacht informiert habe.«
»Denken die nicht, wir sind bereits auf dem Weg nach Hause, Lana? Das war doch deine Absprache mit Costas, oder?«
Nun spielte Finn den Advocatus Diaboli. Ich nickte, ruhiger, als mir zumute war.
»Das ist richtig. Aber sie können Spuren lesen. Ihnen wird das Gleiche auffallen wie mir. Sie kommen deshalb auch hier herauf und finden uns.«

Also würden wir alle zusammen hier auf Rettung warten und hoffen, dass Beale zwischenzeitlich lieber weitergeflohen war. Die Entscheidung einzuheizen war mir nach der Entdeckung des defekten Funkgerätes leichtgefallen. Beale wusste, dass wir hier waren, es gab keinen Grund zu frieren und zu hungern. Während sich Finn mit den Carsons ums Abendessen kümmerte – gut, dass wir das Fleisch dabeihatten und der Ofen funktionierte – schlich ich mich nochmals hinaus.
Vorher hatte ich Anweisungen gegeben: Ich zeigte ihnen Fotos von Beale und versuchte, ihnen Einzelheiten zu diesem Mann näherzubringen. Wie er tickt, was er beherrscht.
»Beale ist ein großartiger Schauspieler, traut ihm nicht. Ihr lasst keinen außer mir rein. Sollte etwas faul sein, versuche ich das Wort Kälte in einem normalen Satz unterzubringen. Also, wenn ich sage ›hey, lasst mich schnell rein, die Kälte hier draußen ist furchtbar!‹, dann lasst ihr mich auf keinen Fall rein. Verstanden?«
Die großen Augen ließen mich hoffen, dass sie mich nicht einfach nur für paranoid hielten.
Ich wandte mich an Finn: »Verstanden?«
Er nickte und begleitete mich zur Tür. »Ich hoffe schwer, dass du nicht lange aus bist und statt über Kälte lieber über die gestrige heiße Nacht am See sprichst.« Er grinste, und ich musste ebenfalls lachen.
»Könnte sein, dass mich in diesem Fall Laurel hier mit gespitzten Krallen empfängt. Aber wenn es dir nichts ausmacht …«
Er wurde ernst, als ich ihm die Pistole in die Hand drückte.
»Du hast jetzt hier die Verantwortung, Finn.«
Er zuckte zusammen, dennoch nahm er sie an.
»Sei vorsichtig, Lana.«
Schweiß stand ihm auf der Stirn, und ich musterte ihn nachdenklich. »Wirst du zurechtkommen? Was hast du denn?«
»Wie schon gesagt: Manchmal wird mir die Enge mit den Menschen zu viel«, erwiderte er leise, und ich erkannte an seinem gequälten Blick, dass es ihm ernst damit war.
»Und die Situation macht es nicht leichter für dich, nicht wahr?« Er tat mir leid, aber ich hatte nur die Wahl zwischen Finn und Carson. Die war für mich nicht gerade schwer zu treffen.
»Ich hasse es, Verantwortung zu tragen«, brach es aus ihm hervor. Ich schüttelte irritiert den Kopf.
»Das ist doch Unsinn, Finn. Du machst dauernd Touren, auf denen die Teilnehmer auf dich angewiesen sind. Und du hast Jolene noch nie enttäuscht. Du solltest dich selbst mehr schätzen, mein Lieber.«
Er schnaubte nur abfällig. Ich öffnete geräuschlos die Tür und warf einen Blick nach draußen, das entsicherte Gewehr im Anschlag. Dann wandte ich mich nochmals zu ihm um.
»Bin gleich wieder da, mein Großer.«
Bevor ich darüber nachdenken wollte, küsste ich ihn rasch auf die Lippen, anschließend gab ich ihm einen sanften Stoß, sodass er zurücktreten musste. Meine Hand beschrieb, was er zu tun hatte, und als ich die Tür geschlossen hatte, hörte ich, wie er innen folgsam den Riegel vorlegte.
Nun war ich allein in der Wildnis. Hoffentlich! Ich schlich um die Seite der Hütte ins Dunkel, um Deckung zu finden. Dies war der heikelste Moment meines Ausflugs. Wenn Beale im Wald saß und mich beobachtete, hatte er sich bereits an die Dunkelheit gewöhnt, während sich meine Augen noch umstellen mussten.
Einige Minuten blieb ich an der hinteren Hüttenwand stehen und lauschte in die Nacht. Es wies nichts daraufhin, dass irgendwo jemand lauerte. Mich umgaben die ganz normalen Laute einer menschenleeren Natur. Doch ein geduldiger Jäger wie Beale wusste, dass er nur lange genug reglos sitzen musste, um das zu erreichen. Wir waren allerdings erst eine knappe Viertelstunde hier, das war zu früh, um Vögel und anderes Waldgetier in Sicherheit zu wiegen. Durch unsere Ankunft war es stiller als gewöhnlich, sonst gab es keinen Hinweis auf weitere Gefahren.
Ich kletterte hinter der Hütte so leise wie möglich einige Höhenmeter hinauf, dann schlug ich mich in den Wald. Hier wartete ich beinahe eine halbe Stunde, ohne etwas zu erspähen. Hatte Beale ein Nachtsichtgerät in seinen Besitz genommen, als er den Laden überfallen hatte? Davon war nicht die Rede gewesen. Aber niemand konnte mir in diesem Moment sagen, wie genau der Ladenbesitzer seinen Warenbestand geführt hatte und ob mittlerweile das Fehlen eines solchen Gerätes aufgefallen war. Für mich wäre das sichere Wissen jetzt von unschätzbarem Wert.
Auf dem Bild, das man von Beale aus der Luft aufgenommen hatte, war nichts zu erkennen gewesen, allerdings hätte es leicht in seinem Rucksack Platz gefunden. Hatte er ein Nachtsichtgerät, war mein Herumhocken sinnlos. Dann wusste der Kerl genau, dass ich hier saß und auf ein verräterisches Geräusch oder eine Bewegung wartete. Vielleicht irrte ich mich auch komplett, und er war tatsächlich bereits über alle Berge entkommen. Vernünftiger wäre es gewesen, sich aus dem Staub zu machen. Wenn es Beales Spur war, die ich heute im Wald entdeckt hatte, war er bedeutend schneller vorangekommen, als ihm irgendwer zugetraut hätte. Weiterzulaufen hätte seinen Vorsprung deutlich ausgeweitet. Was ihm dazwischengekommen war, war ich gewesen, weil ich diesen Vorsprung aufgedeckt hatte.
Ich machte mich auf den Rückweg zur Hütte und vernachlässigte die Deckung, als ich auf den Felsen trat. Alle Muskeln in Bereitschaft lauerte ich darauf, ob er zuschlagen würde. Doch es tat sich glücklicherweise nichts. Ich könnte mich kaum rechtzeitig vor einer Kugel aus dem Schussfeld hechten, wenn es auf der gegnerischen Seite ein Zielfernrohr mit Wärmebildkamera gäbe.
Zurück an der Hütte angekommen, klopfte ich leise und wandte mich aber gleich wieder mit dem Gesicht in die Nacht, um die Gefahr eines plötzlichen Überfalls und Miteindringens in die Hütte zu verhindern.
Finns Stimme hinter der Tür erklang: »Lana?«
»Ja, die Frau, die sich gerne an die gestrige heiße Nacht erinnert.«
Die Tür öffnete sich sofort, und ich betrat den inzwischen erwärmten Raum.
Außer Finns breitem Lächeln erblickte ich den offen stehenden Mund Laurels, die so dicht an Finn klebte, dass ihre Hände an seinem Rücken lagen. Sehr unklug, falls Finn sich hätte verteidigen müssen. Aber wenn ich das jetzt erwähnte, würde sie vermuten, dass es aus Eifersucht wäre. Das kleine Mädchen wusste nichts von Finns Vorliebe für ältere Frauen.
»Du kommst gerade rechtzeitig, dein Steak ist noch warm, Detective«, zwinkerte er mir zu. Ich bedankte mich und lehnte das gesicherte Gewehr neben die Tür. In dieser Hütte gab es ebenfalls zwei Schlafzimmer, in denen insgesamt vier schmale Metallbetten standen, die man, aus welchen Gründen auch immer, an den Boden geschraubt hatte. Hatte jemand einen Diebstahl an diesen hässlichen Dingern probiert? Die Carsons behielten Platz, während ich versuchte, trotz ihrer Fragen zu essen.
»Haben Sie etwas entdecken können, Lana?«
»Nein, kein Hinweis auf einen Menschen da draußen.«
»Kann es ein, dass er sich so still gehalten hat?«
Ich kaute einen Moment, sodass sie warten mussten. Der Hunger war mit einem Mal riesig.
»Ja, schon möglich.«
»Glauben Sie es?«
Hier zögerte ich kurz, während drei ängstliche, ein konzentriertes und ein beinahe unbeteiligt wirkendes Augenpaar auf mich gerichtet waren. Carsons Blick verstand ich. Der Mann war von sich selbst überzeugt wie nur wenige Männer, die ich kannte. Warum aber schien es Finn nicht zu interessieren? Schätzte er die Gefahr so abwegig ein? Sein Gesicht trug das charmante Lächeln, das wir alle an ihm lieben. Die braunen Augen blickten arglos in die Welt, als gäbe es nichts Böses.
»Du solltest dich etwas hinlegen, Lana. Du hast letzte Nacht nicht geschlafen«, schlug er vor und rettete mich so davor, eine unliebsame Antwort geben zu müssen. Ich überlegte kurz.
»Okay, wenn du die Wache übernimmst. Weck mich zwischen zwei und drei bitte. Ich möchte bereit sein, sobald die Sonne aufgeht.« Er nickte.
Ich kümmerte mich noch um Laurels Fuß, der abgeschwollen war, aber dennoch schmerzte. Sie schien mit einer leichten Zerrung davongekommen zu sein. Ich hoffte darauf, dass sie morgen wieder alleine gehen konnte. Ihr betont über mich hinweg gehender Blick belustigte mich. Klar war sie sauer. Meine Losung beim Eintreten vorhin musste ihr ja zu denken geben. An Stelle ihrer Mutter hätte ich ihr allerdings die Ohren lang gezogen, weil sie diejenige, die ihr Hilfe brachte, so geringschätzig behandelte. Glücklicherweise musste ich nicht mit solch einem Fratz leben. Möglicherweise würde sie sich nach der Pubertät trotz des schlechten elterlichen Vorbilds zum Positiven verändern.
Für Finn und mich blieb nur die harte Sitzbank zum Ausruhen. Ich legte mich ausgestreckt auf den Rücken, während Finn sich neben mich setzte und schwieg. Das Licht hatten wir ganz schwach gedimmt, sodass ich nur seinen Umriss sah, wenn ich die Augen öffnete.
Die Carsons verteilten sich auf die beiden Schlafräume. Diesmal hatten wir Glück, dass sich ein kleines Badezimmer mit Toilette im Haus befand. Die Fäkalienentsorgung war so gut geregelt, dass es zu keiner Geruchsbelästigung kam. Dennoch hörte ich Virginia im Schlafzimmer meckern. Das erstaunte mich. Ich hätte sie so eingeschätzt, dass sie aufgrund der Gefahr ihre Bequemlichkeit hintanstellen würde. Aber vielleicht genoss sie es auch nur, ihrem Mann eine Revanche zu verpassen, für alles, was er ihr mit dieser Reise aufgebürdet hatte.
Eine ganze Zeit lang lauschten wir den keifenden Stimmen, die mich am Schlafen hinderten. Schließlich erhob sich Finn von der Bank und klopfte an die Tür.
»Wir sollten morgen fit sein, deswegen wäre es nett, wenn Sie Ihre Gespräche jetzt beenden«, sagte er entschieden, und sofort herrschte Stille. Ich grinste ihm zu. »Danke.«
Seine Miene blieb ausdruckslos.
»Die machen mich wahnsinnig!«, war seine Antwort, bevor er sich wieder an den Tisch setzte. Er legte seine Hände flach auf den Tisch und schwieg.
»Schläfst du so nicht ein?«, fragte ich leise. »Du kannst ruhig in der alten Zeitung blättern oder schnitzen oder was coole Typen in einer Hütte so machen«, versuchte ich ihn aufzuheitern, aber er schüttelte den Kopf.
»Es tut mir gut nachzudenken, wenn es endlich still ist. Außerdem bin ich kein cooler Typ!«
Hm, das war deutlich. Ich beschloss, Finn einfach in Ruhe runterkommen zu lassen. »Dann gute Nacht.«
»Gute Nacht, Lana.«
Ich schlief tatsächlich ein. Nach zwei nervenaufreibenden Tagen voller Bewegung und dafür wenig Schlaf in der letzten Nacht tat es mir gut. So lange wir die Hütte nicht verließen, würde Beale nicht an uns rankommen. Wir konnten notfalls abwarten, bis es ihm zu dumm wurde oder meine Kollegen auftauchten.





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Rezensionen

»Atemberaubende Spannung und Lovestory passen nicht zusammen? ›Lana‹ ist so spannend – ich habe das Buch innerhalb weniger Abende förmlich verschlungen! Und wie es sich für einen Romantikthriller gehört, kommt auch die Liebe nicht zu kurz.«

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Erhältlich als E-Book:

E-Bookversion Lana
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 571 KB
ASIN: B07N5N8XTB

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Paperback
Verlag: EyeDoo Publishing
Verlagsnummer: 946201
ISBN: 978-3964436412
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Mittwoch, 15 Oktober 2014 00:00

Jolene – Zauber des Westens

geschrieben von

Romantikthriller (Die Dawsons – Serie, Band 1)

Starke Gefühle, spannende Wendungen und schlagfertige Dialoge in der wildromantischen Bergwelt Colorados

Beschreibung

Jolene, RomantikthrillerDie lebensfrohe Jolene McNally betreibt eine Ferienranch in Colorado, unterstützt tatkräftig ihre alleinerziehende Freundin Erin und deren kleinen, schwerkranken Sohn und hat auch für die Gruppe Jugendlicher, die bei ihr eine Reittherapie  absolvieren, ein offenes Ohr.

Die schmerzhafte Zurückweisung durch ihren Exfreund Raine Dawson, den harten, schweigsamen Deputy Chief of Police, hat sie jedoch nie verwunden. Raine lässt ihre Knie immer noch weich werden und ihr Herz schneller schlagen.
Als der Privatdetektiv, den Jolene mit der Suche nach ihrer vor vielen Jahren verschwundenen Mutter beauftragt hat, ermordet aufgefunden wird, wird sie zur Zielscheibe des Mörders und ist auf Raines Hilfe angewiesen, der langsam begreift, was er aufgegeben hat. Was aber hindert ihn daran, sich zu Jolene zu bekennen? Raine gibt sein dunkles Geheimnis nicht preis, selbst als der attraktive Arzt Riley Summers sich um die hübsche Rancherin bemüht.

"Jolene" ist der Auftakt zur Reihe über die Dawson-Geschwister und ihre Freunde, deren Bücher unabhängig voneinander gelesen werden könnten, verspürte man nicht Lust darauf, die Geschichten der anderen Hauptpersonen zu erfahren. Die Stories im Stil von Nora Roberts sind in der Nähe von Boulder, Colorado angesiedelt.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort
  2. Die Double-J-Ranch
  3. Anschleichen
  4. Ranch- und Polizei-Alltag
  5. Vergangenheit und Gegenwart
  6. Dunkle Wolken
  7. Hinterhalt
  8. Abschied für immer
  9. Stolpersteine und Schlimmeres
  10. Wunden durch Liebe
  11. Ausbruch
  12. Nie gesagte Worte
  13. Weitere Bücher der Autorin

Leseprobe

A

m nächsten Morgen verschob ich meine Termine mit den vier Jugendlichen und fuhr nach Boulder zur Polizeiwache.

Ein bisschen gefreut hatte ich mich allerdings schon über das enttäuschte Aufblitzen in den Augen von Chris und Savannah; zeigte es mir doch, dass entweder ich oder meine Pferde einen Zugang zu den beiden gefunden hatten.
Auf der Wache musste ich einen Moment auf Raine warten, was mir natürlich neugierige Blicke eintrug, aber es dauerte nicht lange, bis sich Gesellschaft einfand.
Ich war mitten in einem amüsanten Gespräch mit einer der Detectives, Lana Russell, und dem Personalchef Travis McKenna, die ich beide schon einige Zeit kenne, als Raine endlich auftauchte.
Travis war einige Jahrgänge in der Schule über mir gewesen und einen über Raine. Lana war erst vor etwa acht Jahren nach Boulder gezogen und hatte sich voll integriert.
Wir nennen einen relativ friedlichen Ort unser Zuhause, ab und zu ein Diebstahl, Vandalismus oder eine Prügelei und leider gelegentliche sexuelle Übergriffe.
Mord ist eine Seltenheit, daher arbeiten unsere Detectives auch mit denen der näher gelegenen Orte zusammen, wenn einmal etwas passiert.
Ich war also nicht überrascht, als mich Raine nach einem kurzen Kuss vor allen Kollegen, was mit lauten Pfiffen und Rufen quittiert wurde, informierte, dass Lana auf dem Weg nach Broomfield mit von der Partie ist.
Als wir den Raum verließen, fiel mein Blick auf einen Officer, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Er saß an einem Schreibtisch gegenüber von Jake Lamont, der in der Highway Patrol seinen Dienst versieht.
Der Neue war noch sehr jung, maximal fünfundzwanzig, besaß kurzes dunkelbraunes Haar und schmale braune Augen, die mich zu fixieren schienen. Ich lächelte ihn kurz höflich an, aber er starrte ohne ein Lächeln zurück. Nun zog ich mahnend die rechte Augenbraue hoch und er wurde rot.
Na also! Bist doch nicht so tough, wie du meinst, Kleiner!, dachte ich befriedigt und schlenderte hinter Lana und Raine her.
Draußen fragte ich neugierig:
»Wer ist der Frischling mit dem unhöflichen Starren?«
Lana gluckste, aber Raine sah mich verwundert an.
Die stämmige Polizistin mit den blitzenden braunen Augen und dem langen blonden Zopf kicherte:
»Ja, er war nicht sehr höflich, hat mich auch gewundert. Vielleicht hat er böse Dinge von dir gehört, Jolene?«
Ich sah sie verwundert an.
»Was hab ich denn getan?«
»Du existiert einfach in der Welt einer Apothekersgattin, mit der der junge Ryan Walker jeden Morgen einen kleinen Flirt hält, wenn er seinen Kaffee im Wendys Coffeedreams trinkt und sie das Frühstück für sich und Frank dort abholt.«
Raine sah sie stirnrunzelnd an, dann fragte er mich:
»Wie hat er sich denn verhalten, Jo?«
Ich winkte ab, denn nach Lanas Erläuterung war für mich alles klar.
»Er hat mich angestarrt, ich habe ihn trotz seines Starrens angelächelt und er hat es nicht erwidert, sondern weiter gestarrt. Nichts Dramatisches, Raine, einfach nur unhöflich.«
Dem Blick meines Freundes, hach nein, meines – ja was eigentlich? – Geliebten (nein, zu früh), Lebensabschnittsgefährten oder Verlobten (hmm, auch nicht) – egal, also dem Blick meines Freundes nach, hätte das für den jungen Officer noch ein Nachspiel und der kleine misstrauische Teufel in mir fragte, ob Ryans Unhöflichkeit oder sein Flirt mit Ruth der Grund sein würden.
Lana setzte sich in den Fond und Raine hielt mir höflich die Beifahrertür auf und blickte mich an.
Ich war dumm, so misstrauisch zu sein, denn seine Augen strahlten in einem phänomenalen Meerblau und drückten seine Gefühle für mich deutlich aus.
Bevor ich mich setzte, schlang ich ihm einen Arm um den Hals und küsste ihn ausführlich, während seine Hand die Tür losließ und sich um meine Taille legte.
Eine Hand klopfte auf das Wagendach und Lana rief amüsiert:
»Leute, wir stehen vor dem Polizeirevier, das Büro der Frontrage News ist gegenüber und alle sind an euch interessiert.«
Raine lachte und schob mich in den Wagen, während ich mit leicht rotem Kopf umhersah.
Lana hatte übertrieben, aber nicht gelogen.
Aus dem Fenster der Zeitung war zwar niemand zu sehen, aber an der Scheibe des Police Departements klebten einige grinsende Gesichter.
Ich musste lachen und winkte ihnen, während Raine kopfschüttelnd, aber offensichtlich gut gelaunt mit dem Wagen auf die Straße ausscherte.
Wir plauderten eine Weile, während wir über den Highway auf Broomfield zufuhren, dann seufzte Raine und wir erkannten sogleich warum.
Vor uns gab es Bauarbeiten der ausgedehnten Art und wir wurden vom direkten Highway 36 über den 93er und dann den 170er umgeleitet, was uns vermutlich eine schlappe Stunde kosten würde.
Raine kurbelte das Fenster runter, aber der Vorarbeiter konnte ihm hier im Moment auch nicht helfen. Der Mann schob sich seinen Helm etwas aus der schweißüberströmten Stirn und gab an, dass es maximal bis Mittag dauern würde und wir auf dem Rückweg die Straße ziemlich sicher wieder benutzen könnten.
Also nahmen wir es so hin, denn auch der Umweg war gut ausgebaut, leider trotzdem ein Zeitverlust.
Mein Blick fiel durch sich drehende Windräder hindurch auf die riesige Ebene unter uns, die sich bis Denver erstreckte. Auf der anderen Seite begann das Hügelland, das allmählich in die Gebirgsregion der Rockies überging.
Etwa fünf Meilen entfernt sah ich zwischen zwei Tälern eine Hütte an einem Steilhang aufblitzen, dessen westliche Seite von einem Waldstück begrenzt wird. Irgendetwas kam mir daran bekannt vor, aber ich konnte den Finger nicht drauflegen, was es ist, also schwieg ich.
In Broomfield wurden wir ins Büro von Detective Keene Winford geführt, der uns bat, Platz zu nehmen und uns netterweise erst einmal mit Kaffee versorgte, während wir uns für unsere Verspätung entschuldigten.
Ich hielt mich im Hintergrund, während Winford die Untersuchungsergebnisse an die beiden Boulder Cops weitergab, die sich Notizen machten.
Dann wandte er sich an mich und ich versteifte mich etwas.
Raine fiel dies sofort auf und er drückte meine Hand und ließ sie nicht los. Winford ignorierte unsere Vertrautheit und begann seine Befragung.
»Miss McNally, Sie haben angegeben, dass Sie Mr. Lennox beauftragt haben. Bitte erklären Sie mir, was der Inhalt des Auftrages war.«
Ich atmete tief ein und versuchte meine Worte möglichst emotionslos zu wählen.
»Meine Mutter verschwand, als ich acht Jahre alt war und mit ihr ein Koffer. Es wurde ermittelt, aber sie war nicht auffindbar und so wurde ihre Fallakte geschlossen, mit dem Hinweis, dass sie einfach verschwinden wollte.
Ich habe das nie geglaubt, denn sie hat viel zu viel auf sich genommen, um mich zu schützen und mit mir nach Boulder zu ziehen. Sie hatte sich dort ein komplett neues Leben aufgebaut, in dem sie sich, nicht nur meiner Meinung nach, sehr wohl fühlte. Ich habe Lennox beauftragt nach ihr zu suchen.«
Winford warf die gleichen Argumente ein, die viele andere vor ihm auch schon bemüht hatten.
»Sie waren ein Kind von acht Jahren. Da hätten Sie vermutlich nicht mitbekommen, wenn ihre Mutter einen neuen Freund gehabt hätte oder es ihr einfach zu viel geworden wäre, allein ein Kind großzuziehen.«
Ich wurde nicht einmal mehr wütend, sondern antwortete nur resigniert:
»Deshalb meine Bemerkung eben: nicht nur meiner Meinung nach. Dies wurde mir von vielen, damaligen Erwachsenen, genauso bestätigt.«
Raine warf mit dunkler Stimme dazwischen:
»Mein Vater hat damals an dem Fall mitgearbeitet. Meine Eltern waren eng mit Madelynn McNally befreundet und sie haben auch nie an ein freiwilliges Verschwinden geglaubt. Die Bindung zwischen ihr und Jolene war außergewöhnlich eng, außerdem verband sie die Angst vor dem Ehemann und Vater.
Stuart McNally war damals gerade festgenommen worden, konnte es also nicht selbst gewesen sein. Auch jetzt sitzt er gerade wieder in Chicago ein.
Als er einmal unter Alkoholeinfluss vernommen wurde, gestand er den Mord an seiner Frau, aber er wusste keine Einzelheiten und man war sich sicher, dass er es nur aus Genugtuung und Hass gestanden hatte, aber in Wirklichkeit nichts damit zu tun hatte. Als er wieder nüchtern war, konnte er sich auch an gar nichts mehr erinnern.«
Ich sah ihn ungläubig an.
Dies hatte er mir gestern nicht ganz so erzählt und nun regte sich doch langsam etwas Zorn in mir.
Raine sah mich beschwörend an, jetzt nicht die Nerven zu verlieren.
Also versuchte ich, mich wieder zu konzentrieren und fuhr fort:
»Vor zwei Jahren fand ich den Fotoapparat meiner Mutter wieder, der ihr sehr viel bedeutete. Er war mit einem eingeschweißten Film in einer extra Filmdose ganz hinten in einer Schublade versteckt gewesen. Das Ganze steckte in einer kleinen Isoliertasche, die Fotografen auf ihren Reisen dabei haben, um die Filme länger konservieren zu können. Darum hatte ich die Hoffnung, dass er sich vielleicht gehalten hatte.
Ich ließ den Film in einem Spezialgeschäft entwickeln, die Qualität ist nicht besonders, aber man kann etwas erkennen.«
Ich holte den Umschlag aus meiner Tasche und packte die Fotos aus. Winford breitete sie auf dem Tisch aus und betrachtete eines nach dem anderen lange, während ich ihn verstohlen musterte.
Der Detective war etwa Mitte vierzig und sehr hager.
Eine monumentale, schmale Nase ragte aus seinem Gesicht und die Ohren war auch nicht gerade klein, aber er hatte das gewisse Etwas in seinen Gesichtszügen, das ihn gefährlich und attraktiv zugleich wirken ließ. Er war glattrasiert und das dunkelblonde, kurz geschnittene Haar wurde an den Schläfen schon etwas lichter.
Seine Kleidung war sehr akkurat, ohne jeden Hinweis auf modische Vorlieben, was mich hoffen ließ, dass er genau, aber nicht pingelig bei der Arbeit war.
Auf den Fotos konnte man ganz deutlich Mr. Carstairs erkennen, der neben einer Blockhütte mit einer Schaufel in der Erde grub.
Ich zuckte zusammen und rutschte etwas näher. Konnte es sein, dass der Umweg heute ein Glücksfall gewesen war?
Mit einem leichten Beben in der Stimme zeigte ich auf das Foto.
»Raine, diese Hütte, ich glaube, ich habe sie heute auf der Herfahrt, gleich nachdem wir auf die 170 gefahren sind, gesehen. Kann das sein?«
Winford sah mich rasch ungläubig an, dann lehnte er sich zurück, drehte seinen Stuhl mit einer raschen Bewegung von mir weg.
Sein Bildschirm leuchtete auf und er verschob ihn so, dass ich nichts erkennen konnte.
Ich runzelte irritiert die Stirn.
Man konnte ja auch übertreiben mit seinem Sicherheitswahn. Oder mochte er mich einfach nicht, weil ich seine Arbeit erschwerte?
Raine und Lana grinsten mich an, als sie meinen Ärger sahen und Lana stichelte freundschaftlich.
»Du bist eben nur Ranchpersonal, Jo. Deswegen darfst du nicht hinschauen.«
Winfords Kopf ruckte hoch und er sah mich prüfend an. Ich konnte nicht verhindern, dass meine Augen böse funkelten, was auch ihm ein Lächeln auf die Lippen zauberte.
Schön, dass ich diese Cops alle amüsieren konnte!
Er tippte auf der Tastatur etwas vor sich hin, dann schnaufte er laut auf.
»Da haben wir es schon: Carstairs besitzt wirklich eine Hütte dort in der Nähe.
Sie haben vermutlich Recht, Miss McNally.«
Ich richtete mich triumphierend auf, aber die Ernüchterung folgte sogleich.
»Aber das bedeutet nur, dass Ihre Mutter Carstairs beim Graben, das normalerweise auf eigenem Grund und Boden legal ist, fotografiert hat.«
Ich schoss nun im Stuhl hoch.
»Und warum hätte sie das tun sollen? Weil Carstais so interessant ist?«
»Ist er das?«, kam es amüsiert zurück.
Raine schaltete sich wieder beruhigend ein, vermutlich roch er die Rauchschwaden schon, die sich gerade in meinem Kopf bildeten und sich ihren Weg nach draußen gleich durch meine Ohren suchen würden.
Geduld ist, außer im Umgang mit Kindern und Tieren, wirklich nicht meine Stärke.
»Ein Interesse von Mrs. McNally an dem Mann können wir mit Sicherheit ausschließen, er ist mein Nachbar. Das hätten wir mitbekommen, außerdem ist Henry Carstairs wirklich weder attraktiv noch sympathisch, Detective.«
»Die Geschmäcker sind verschieden«, war die unbeein-druckte Antwort und nun zog es mich aus meinem Stuhl. Ich riss meine Hand aus Raines, stützte mich mit beiden Händen auf den Tisch zwischen uns und zischte:
»Was wollen Sie eigentlich von mir, Detective? Ich habe Ihre Fragen beantwortet und Sie ziehen meine Mutter und ihr Verschwinden ins Lächerliche.
Ich will jetzt wissen, was für Ergebnisse Sie bei Lennox ge-funden haben und ob die mir helfen, meine Mutter wieder zu finden. Ich habe dem Mann schließlich dafür ein Heidengeld gezahlt!«
Nun kam auch Winford aus dem Stuhl und stützte sich mir gegenüber auf.
Zwischen unseren Gesichtern war nicht mehr allzu viel Raum, als wir uns wütend angifteten.
Lana versuchte erschrocken zu vermitteln, während Raines Hand sich auf meine Schulter legte, um mich zurück in den Stuhl zu ziehen. Aber das alles hatte eher den gegenteiligen Effekt und spornte meine Wut noch an.
Aber auch der Detective war stocksauer und seine Stimme gut zu vernehmen.
»So reden Sie nicht mit mir, Miss McNally. Setzen Sie sich, denn ich ermittle so, wie ich es für richtig halte.«
Seine Stimme wurde immer lauter, aber schreien kann ich genauso gut, auch wenn meine Tonlage sicher nicht so beeindruckend ist.
»Ermitteln ist für mich etwas anderes, Detective! Meine Mutter fotografiert doch nicht heimlich jemanden legal beim Graben, weil ihr so langweilig ist. Da ist etwas faul und ich will, dass es jemand untersucht. Mein Privatdetektiv ist doch auch nicht grundlos ermordet worden, oder?«
Die Adern an Winfords Schläfen schwollen an, als er noch lauter antwortete:
»Die Ermittlungsergebnisse werden dann veröffentlicht, wenn ich es für richtig halte. Man hat keine Fotos bei ihm gefunden, vielleicht hat das Ganze mit Ihnen überhaupt nichts zu tun.«
Ich erstarrte und nahm dieselbe Spannung auch an Raines Körper wahr, der nachhakte:
»Keine Fotos bei Lennox? Das wäre aber eher ein Hinweis, dass sein Tod etwas mit dem Verschwinden von Jolenes Mutter zu tun hat.«
»Wir haben nur Miss McNallys Aussage, dass er von ihr Fotos bekommen hat.«
Das schlug dem Fass den Boden aus und ich war kurz vor einem Urschrei à la Tarzan, als das Telefon auf dem Tisch läutete. Winford riss den Hörer hoch und hielt ihn ans Ohr.
»Was? Wieso? Wo ist sie?«, fragte er zunehmend leiser werdend und wandte seinen Kopf zur Glasscheibe, die den Blick zum und vom Großraumbüro ermöglichte.
Auf der anderen Seite der Scheibe stand neben einem Polizisten, der einen Telefonhörer in der Hand hielt, eine hübsche dunkelhaarige Frau und winkte herüber.
Erstaunt sah ich, wie Winfords Gesicht leicht rot wurde und er verlegen zurückwinkte.
Dann legte er auf und sah mich mühsam grinsend an.
»Das ist meine Frau, mit der ich zum Mittagessen verabredet bin und die uns beiden ausrichten lässt, dass wir durch die Scheibe einen leicht lächerlichen Eindruck machen.«
Ich blickte sprachlos zurück zu der verschmitzt lächelnden Dame, dann wieder zu Winford, dessen Grinsen nun echt war, und spürte, wie sich auch meine Lippen unwillkürlich verzogen.

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Rezensionen

Beeindruckend: War mein erster Roman von der Autorin und nicht der letzte. Die Autorin hat ein beeindruckender Roman geschrieben. Sie hat sich an ein sehr ernstes Thema heran gewagt und super rüber gebracht, großes Kompliment. Raine ein Cop mit einer sehr traurigen Vergangenheit und eine Ex-Frau die nicht normal ist. Die Ex-Frau macht Raine immer noch das Leben schwer. Jolene eine Frau die weiß was sie möchte, Raine, ihre Ranch, und ihre Jugendliche. Die Verwicklungen um Jolene und Raine sich dramatisch und traurig. Trotz allem finden die Beiden ihren Weg, dieser Weg ist beeindruckend von der Autorin geschrieben. Dieser Roman hat mich sehr gefesselt und konnte nicht aufhören zu lesen. In diesem Roman gibt es alles Liebe, Spannung, Herzschmerz und sehr viel Gefühl. Was mir sehr besonders gefallen hat, waren die Freunde und die Familie von den Beiden, man dachte man kennt sie alle. Klare Leseempfehlung von mir:-)

Spitze: Ein ganz toller Roman mit einem sehr interessanten und erst zunehmenden Thema!
Sehr symphatische Protagonisten, die man vom ersten Kapitel an gern hat und einen in die Geschichte eintauchen läßt.
Ich freu mich schon auf weitere Geschichte der Dawsons und hoffe nicht allzu lang warten zu müssen.

Verzaubert: Ich bin von diesem tollen Roman noch ganz verzaubert. Die Figuren sind wunderbar beschrieben, die ganze Stimmung hält einen atemlos in ihrem Bann. Es ist kein typischer kitschiger Liebesroman, es werden auch ernste Themen angesprochen und die Spannung hält einen bis zum Schluss gefangen.

Fesselnde Geschichte: Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen ausgelesen. Die Geschichte hat mich einfach gefesselt, ich kann jedem da Buch empfehlen, egal ob Pferdekenner oder nicht.

Sehr gut geschrieben: Dies ist das 2.Buch der Autorin, das ich über KU erworben habe. Ich bin unglaublich beeindruckt, wie viel Tiefe diese Geschichte hat. Gleich mehrere Problemthemen, die so perfekt in den Kontext eingefügt sind, dass ich sie nicht als störend empfunden habe. Der Roman wirkt auch nicht überladen durch diese Themen. Manchmal hat man als Leser bei anderen Büchern das Gefühl, es wird einfach zu viel, so viel gehäuftes, negatives Schicksal geht nicht. Normalerweise lese ich ungern Romane, in denen z.B. eine schwere Krankheit (Teddy, das Kind von Erin) dazugehört. Aber hier passt das alles zusammen und keinen Augenblick kam mir eine Szene kitschig vor.
Jolene hat schon früh ihre Mutter verloren, trotzdem hat sie ihr Leben gut im Griff und alles wäre perfekt, wenn Raine sich nicht so zugeknöpft verhalten würde. Angeblich liebt er sie und geht trotzdem auf Distanz. Jolene leidet. Beide Protagonisten sind mir auf Anhieb sympathisch gewesen. Jolene hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf der Ranch schwierigen Jugendlichen eine Aufgabe und viel liebevolle Unterstützung zu geben, sodass ihr bald alle vertrauen und sich positiv verändern.
Parallel zu der Liebesgeschichte von Jolene und Raine entsteht die Spannung des Buches auch durch das ungeklärte Verschwinden von J. Mutter. Der damals 8jährigen wurde erzählt, die Mutter habe sie verlassen, wovon J. nicht überzeugt ist. Sie forscht auf eigene Faust und Raine, der gleichzeitig Cop ist, hilft ihr dabei. Das wird nicht von jedem gern gesehen...
An dem Schreibstil von Katie S.Farell gibt es überhaupt nichts auszusetzen, deshalb kann ich die zwei negativen Rezis nicht verstehen. Die Story als oberflächlich zu bezeichnen, ist schon gewagt und Detailverliebtheit wäre wohl fehl am Platz bezüglich der Themen. Das Buch und die Autorin kann ich nur empfehlen, fünf Sterne sind mehr als verdient.

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Erhältlich als E-Book:

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 638 KB
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374 Seiten, Paperback
Verlag: EyeDoo Publishing
Verlagsnummer: 946201
ISBN: 978-3964436429
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Dienstag, 29 Dezember 2015 11:35

Erin – Zauber der Insel

geschrieben von

Romantikthriller (Die Dawsons – Serie, Band 2)

Ein spannender und berührender Liebesroman im sanften Licht der grünen Insel.

Beschreibung

Erin, RomantikthrillerVieles macht der zierlichen Schönheit Dr. Erin Westbrook das Leben schwer, aber ihr Herz kämpft sich frei von allem Ballast und beginnt endlich wieder für einen Mann zu schlagen: Josh Sinclair, Erbe eines Guts im weit entfernten Irland, scheint der Partner fürs Leben zu sein, käme er nicht aus einer komplett anderen Welt. Als er in Irland unter Mordverdacht steht, eilt Erin an seine Seite, was Josh die Entscheidung zwischen Erin und seiner Heimat nicht gerade erleichtert.

„Erin“ ist der zweite Band aus der Reihe über die Dawson-Geschwister und ihre Freunde, deren Bücher unabhängig voneinander gelesen werden könnten, verspürte man nicht Lust darauf, die Geschichten der anderen Hauptpersonen zu erfahren. Die Stories im Stil von Nora Roberts und Catherine Gaskin sind in der Nähe von Boulder, Colorado und in diesem Band zum großen Teil in Irland angesiedelt.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort
    2. Mit neuem Schwung
    3. Schatten der Vergangenheit
    4. Irische Verwicklungen
    5. Heftige Gefühle
    6. Feenland
    7. Abgründe
    8. Vermisst
    9. Schlummernde Wildheit
    10. Colorado
    11. Anmerkung zu spezifischen Inhalten
    12. Weitere Bücher der Autorin

Leseprobe

Meine Arme legten sich wie von selbst um seinen Hals und ich tat mein Bestes, das Aufstehen hinauszuzögern und ihn von dem Kommenden abzulenken. Wir vernahmen den Wecker, trotz dem wir in andere, wunderschöne Dinge vertieft waren, aber schließlich half alles nichts. Wir duschten bereits ein wenig in Eile und mit großem Bedauern. Josh schlang das große, flauschige Badehandtuch um meinen Körper und befestigte es mit seinen Armen.
»Das läuft aber morgen anders, Liebling. Macht es dir etwas aus, wenn ich schon vorgehe? Ich glaube, ich habe den Wagen meiner Mutter gehört. Wir haben aber noch Zeit für ein ruhiges Frühstück, also hetz dich nicht, in Ordnung?«
Er nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste mich voller Verlangen, aber ich schob ihn sanft von mir weg. »Josh, du musst gehen. Deine Mutter wartet und du solltest nicht so … erhitzt aussehen, oder?«
Er lachte und nickte. Bevor sich die Tür hinter ihm schloss, warf er mir noch eine Kusshand zu.
Ich beeilte mich dennoch, denn ich wollte keinesfalls, dass seine Mutter schon bei der ersten Begegnung auf mich warten musste. Mein Zimmer schloss direkt an der anderen Seite des Bads an – wie geschickt – so dass ich direkt nach dem Duschen und ein wenig Auflegen von Mascara und Lippenstift hinübergehen konnte. Mein dunkles Kostüm lag bereit und ich schlüpfte rasch hinein, dann hängte ich mir meine Tasche um und starrte kurz im Vorbeigehen noch gedankenvoll in den kleinen geschwungen Spiegel aus alten Zeiten. War ich zu blass? Aber übermäßiger Gebrauch von Schminke ist nicht mein Ding und für den Anlass wäre es sicherlich nicht passend. Ich ignorierte meine Nervosität – ich würde seine Mutter treffen, na und?, dann verließ ich mein Zimmer mit dem immer noch perfekt gemachten Bett – sollte ich es präparieren, als wäre es benutzt worden? Nein, Verstellung liegt mir nicht, jeder kann wissen, dass wir uns lieben.
Die schrille, unbekannte Stimme konnte ich bereits im Stockwerk über dem Esszimmer hören und ich zwang mich weiterzugehen, anstatt umzudrehen, was mir momentan sehr sympathisch erschien. Ich atmete tief ein, als ich den Raum betrat. Josh stand an einem schmalen Tisch an der Wand, auf welchem ein kleines Buffet mit Scones, Konfitüre, Obst und Porridge angerichtet war, und schenkte sich einen Kaffee ein. Eine Frau saß bereits vor einer dampfenden Tasse am Tisch und redete mit dieser unsympathischen Stimme auf ihn ein.
»Du wirst O’Donnell noch vor der Eröffnung sagen, dass wir ihm einen anderen Anwalt auf den Hals hetzen, wenn er das Falsche sagt. Hörst du, Josh? Wir lassen uns nicht abspeisen.«
Seine Stimme war ruhig und gelassen, als er ihr antwortete: »Mum, wir warten ab, was Dads Wille ist. Und den respektieren wir. Du hast dein Auskommen und ich komme auch zurecht.«
»Du denkst nur so lasch darüber, weil du dir von dieser Amerikanerin den Kopf verdrehen lässt. Josh, man gibt sein Erbe nicht auf wegen einer Liaison.«
Ich räusperte mich und ihr Kopf fuhr herum. Eigentlich hatte ich mit Verlegenheit gerechnet, aber sie war aus weitaus härterem Holz geschnitzt. Ihre hellblauen, schmalen Augen musterten mich von oben bis unten, verrieten aber keine Meinung. Maryam Sinclair besaß ein schmales Köpfchen mit hohen Wangenknochen. Ihre perfekte Figur wurde von einem hellgrauen Seidenkostüm umhüllt, das sicher nicht wenig gekostet hatte. Das rotblonde Haar lag in akkuraten Wellen um das für ihr Alter beinahe faltenfreie, schmale Gesicht. Sie war immer noch eine Schönheit, nur die Berechnung, die aus ihren Augen hervorstach, schwächte ihre hoheitsvolle Wirkung ab.
Josh stand mit einem Mal neben mir und nahm meine Hand.
»Mum, darf ich dir Dr. Erin Westbrook vorstellen? Erin, das ist meine Mutter Maryam Sinclair.«
Sie nickte von oben herab und ich spürte Joshs Verärgerung über ihr kaltes, unhöfliches Benehmen. Schnell sagte ich, um die Situation zu entschärfen: »Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Mrs. Sinclair. Ich bedauere, dass es unter diesen Umständen stattfindet und möchte Ihnen noch mein Beileid ausdrücken.« Mir war natürlich klar, dass diese Frau nicht unter dem Mord an ihrem Ex-Mann litt, aber auch ich kann manchmal nicht anders als zu provozieren. Sie schaffte es, abfällige Worte zu unterdrücken und erwiderte nach einem hörbaren Schlucken kühl: »Das ist sehr freundlich von Ihnen, vielen Dank.«
Josh legte mir die Hand auf den Rücken und schob mich sanft in Richtung Buffet.
»Einen Tee, Erin? Oder heute lieber Kaffee?« Sein schelmisches Grinsen in Anwesenheit seiner Mutter, das sich auf unsere kurze, leidenschaftliche Nacht bezog, ließ mich mit Mühe mein Grinsen verkneifen. Nun ja, so konnte man seine Mutter natürlich auch ärgern. Ich beschloss, nicht näher darauf einzugehen, erwiderte aber lächelnd: »Ja, heute könnte ich wirklich einen Kaffee brauchen, danke, Josh.«
Es war ein frostiges Frühstück, obwohl draußen bereits eine zarte Herbstsonne einen schönen, relativ warmen Tag ankündigte. Mrs. Sinclair ignorierte mich zunächst, tat sich damit aber hart, weil Josh parallel ein Gespräch mit mir führte. Schließlich gab sie diesen Versuch auf und machte sich daran, mich mit kleinen Spitzen auszufragen. »Was für einen Doktor haben Sie denn erworben, Miss Westbrook, oder war es Mrs.?«
»Ich bin geschieden, Ma’am.«
Dies ging mir nun ganz lässig über die Lippen, denn Ma’am hörte die Lady sicherlich nicht so gerne: Es spiegelt gerne Ehrfurcht wieder, weist aber auch auf ein geschätzt höheres Alter des Gegenübers hin. Sie zuckte auch dementsprechend zusammen, ließ mich aber fortfahren. »Ich bin Doktor der Psychologie und arbeite in meiner eigenen Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Es gibt zwar auch mehr als genug Fälle im Erwachsenenbereich, aber die Kinder können ja zumeist nichts für ihre Probleme oder Psychosen, die oft die Folge eines lieblosen Elternhauses sind.«
Wumm, das hatte auch gesessen. Ich erkannte es daran, dass ihr Blick nun von überheblich zu vorsichtig wechselte. Gut so.
Josh fügte ernst hinzu: »Erin hat endlose Geduld und die nötige Festigkeit mit schwierigen Fällen umzugehen. Das bewundere ich sehr an ihr.«
Wir schafften es beide ernst zu bleiben, aber sie spürte vermutlich, dass diese Bemerkungen auf sie zielten. Energisch stand sie auf und schob ihren Stuhl zurück. Kühl bis eisig war das Timbre ihrer Stimme.
»Wir sollten langsam fahren, Josh. Wenn Miss Westbrook dann auch einmal fertig gegessen hat.«
Ich konnte nicht anders, als zu grinsen, während sie hoheitsvoll aus dem Raum segelte. Josh lachte laut auf und küsste mich auf meinen, mit einem Stück Birne gefüllten Mund. »Sehr elegant, wie du alle Klippen umschiffst, Erin. Es tut mir leid, dass sie so ekelhaft ist.«
»Dafür kannst du nichts, Josh. Aber wenn mich Jo nicht gewarnt hätte, wäre ich wahrscheinlich sprachlos gewesen.«
»Na, das wäre doch zu schade gewesen«, erwiderte er in trockenem Tonfall, woraufhin wir wieder zu kichern begannen.
Mrs. Mahoney betrat den Raum und betrachtete uns zuerst erstaunt, dann deutlich verächtlich. »Sie sollten sich langsam auf den Weg zur Beerdigung Ihres Dads machen, Josh.«
»Anstatt hier zu kichern«, fügte sie allerdings nicht hinzu, was angesichts ihrer Miene auch nicht nötig war. Josh seufzte und ich wischte mir rasch mit der Serviette über die Lippen.
»Lass es uns hinter uns bringen.«
Ich nickte und wir verließen Hand in Hand den Raum.

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Rezensionen

"Durch die bildhafte Sprache der Autorin kann man sich Colorado wie auch Irland vorstellen und die ganzen Szenen laufen fast wie ein Film im Kino an einem vorbei. Einfach wunderbar. Obwohl die Landschaft und vor allem die irische Kultur nicht zu kurz kommen, ist das Buch von der ersten bis zur letzten Seite spannend."

"Liebesgeschichte mit Drama und einem Hauch von Krimi mit sympathischen Charakteren"

"Mir hat der Schreibstil der Autorin gut gefallen, sie schreibt fließend, fesselnd und sie schafft es den Leser für die Geschichte zu begeistern! :) Ich werde definitiv sicherlich weitere Bücher der Autorin lesen und kann das Buch von daher auch nur weiterempfehlen." (Lovelybooks 2016)

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Erhältlich als E-Book:

ebookversion Erin
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 674 KB
ASIN: B019NYAYCW

Erhältlich als Taschenbuch:

Taschenbuchversion

434 Seiten, Paperback
Verlag: Eyedoo Publishing
Verlagsnummer: 946201
ISBN: 978-3-946201-02-1
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Samstag, 04 März 2017 18:18

Savannah – Zauber des Spiels

geschrieben von

Romantikthriller (Die Dawsons – Serie, Band 3)

Starke Gefühle einer jungen Frau zwischen zwei Männern und deren Welten

Beschreibung

Savannah, RomantikthrillerLieblose Kindheit, falsche Freunde, dann der Absturz. Nur mühsam kann sich die junge, kämpferische Savannah von ihrer Vergangenheit erholen. Nun wird die motzige Punkröhre erwachsen und strebt nach Selbstständigkeit. Leicht wird ihr das nicht gemacht, Riff Dawson löst mit seinen Flirts bei ihr Herzklopfen aus, aber auch das Gefühl, diesem Mann hoffnungslos unterlegen zu sein. Ein Mord bereitet Riff gewaltige Probleme und verlangt dem Mädchen Unerträgliches ab. Savannah zieht die Reißleine und bricht aus dem liebgewonnenen Umfeld aus, das ihr in den letzten Monaten so viel Sicherheit gab. Ob dies eine kluge Entscheidung war? Eden Carey, der Hotelierssohn aus Denver, bestärkt sie und legt ihr seine Welt zu Füßen. Und so pokert Savannah hoch um ihre Zukunft und die Liebe.

Teil III der Reihe um die Dawson-Geschwister und ihre Freunde, deren Bücher unabhängig voneinander gelesen werden könnten, verspürte man nicht Lust darauf, die Geschichten der anderen Hauptpersonen zu erfahren. Die Stories im Stil von Nora Roberts sind in der Nähe von Boulder, Colorado angesiedelt.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort
  2. Grausame Erinnerungen
  3. Versprechen und Feste
  4. Tara’s
  5. Flucht nach vorne
  6. Flugversuche
  7. Erschütterungen
  8. Stolperfallen
  9. Irrgarten
  10. Dornige Rosen und ganze Kerle

Leseprobe

Einen Schatz hatte mich vor Jolene nie jemand genannt: Nervensäge, Klotz am Bein, freche Göre waren die üblichen Bezeichnungen durch meine Eltern gewesen.
Sie hatten mich nie körperlich misshandelt, ihre Waffen bestanden aus bösartigen Worten und Gefühlskälte. Ich hatte sie einmal gefragt, warum sie sich ein Kind gewünscht hatten.
Als Antwort erhielt ich ein offenes Statement, verletzend, vernichtend: »Wär uns diese Last bewusst gewesen, hätten wir uns dagegen entschieden.«
Der Herr Rechtsanwalt und seine Frau aus betuchtem Haus, waren am Modell »Meine Frau, mein Kind, mein Haus, mein Porsche« gescheitert. Aus dem einfachen Grund, weil eben das Kind mit Mühen verbunden war und in meinem Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht als Statussymbol verwendet werden konnte.
Ich war 14 Jahre alt und im besten Rebellionsalter. Dabei wurde ich zunächst von meiner Clique unterstützt. Als ich die Grenzen erreichte, an denen die Rebellion durch einen Taschendiebstahl in Kleinkriminalität überging, wurde ich von meinen bisherigen Freunden fallengelassen. Die anderen waren doch einen Tick klüger als ich. Oder sie hatten Eltern, die das Schlimmste verhinderten.
Rory Mason war derjenige, der mich auffing. Drei Jahre älter als ich hatte er einen reichhaltigen Erfahrungsschatz in Bezug auf Diebstahl. Er betörte mich, gaukelte mir Liebe vor, machte mich abhängig von seiner Zuneigung. Eine Abhängigkeit, die einer Drogensucht kaum nachstand. Bis ich alles tat, was er von mir verlangte, um ihn nicht zu verlieren. Fast alles. Und als ich den letzten Schritt verweigerte, der mich von einer Diebin zu einer Nutte hätte werden lassen, folgten Strafe und Ernüchterung so schnell, dass sie mich in meiner ungläubigen Hilflosigkeit überrollten.
Der Traum in der letzten Nacht hatte mir aufgezeigt, warum ich im Unterbewusstsein so misstrauisch auf Riff Dawson reagierte.
Zuvor war mir die physische Ähnlichkeit zwischen den Männern nicht aufgefallen. Bei Tageslicht besehen, besaßen sie beide das etwas längere blonde Haar, das schmale attraktive Gesicht und die blauen Augen. Riff hatte Rory einige Jahre voraus und zeigte einen bei Weitem beeindruckenderen Körper. Beide strahlten selbstsicheren Charme aus, für den nicht nur ich anfällig war. Riff traf man oft mit hübschen Frauen und Rory war im Gerichtssaal, als er seine belastende, verräterische Aussage machte, in Begleitung einer wunderschönen Brünetten erschienen. Er drehte das Messer in meiner Wunde nochmals um. Den Schmerz der Eifersucht hatte ich durch meine Lethargie hindurch gespürt.

Im Maileingang fand ich einige Anfragen für das kommende Buchungsjahr vor, die ich rasch beantwortete. Der Lärm draußen verebbte, Ben war mit dem Schneeräumen fertig. Ein Lieferwagen fuhr in den Hof und parkte direkt vor der Tür. Ich erkannte das Logo der Cateringfirma. Gleich dahinter stellte Raine den SUV ab und stieg gleichzeitig mit seinem Bruder aus dem Wagen. Mir stockte der Atem. Was hatte ich erwartet? Dass Riff nach einer Nacht im Gefängnis abgemagert und verstört war? Er hatte bessere Nerven als ich und den Deputy Chief, plus einer ganzen, in Boulder und Umgebung hoch angesehenen Familie hinter sich.
Ich war allein gewesen. Keiner hatte mich in einer Zelle mit Essen und Decken versorgt. Ich war mit Hunderten anderer Festgenommenen in einer großen Halle gesessen, war im Gerichtssaal vor Scham über meine dumme Leichtgläubigkeit im Boden versunken. Die Peinlichkeit vor einem Raum voller Menschen angeklagt zu werden, die Aufzählung der Untaten, die ich begangen und auch nicht begangen hatte, anhören zu müssen. Als Sahnehäubchen die verlesene Meinungsabgabe meiner Eltern und das daraufhin entstandene Getuschel ertragen zu müssen, das waren die schlimmsten Erfahrungen meines Lebens gewesen. Dachte ich – dann kam das halbe Jahr in der Jugendvollzugsanstalt.
Meine Strafe war nach dieser Zeit noch nicht abgesessen, aber durch das Verhalten meiner Eltern wurden Dr. Summers und sein Team auf mich aufmerksam. Man wählte mich für ein neues Resozialisierungsprojekt aus. Das rettete mir buchstäblich das Leben. Der Gedanke an die entsetzten Mienen meiner Eltern, wenn sie erfuhren, dass sie mir damit tatsächlich geholfen hatten, zauberte mir regelmäßig ein grimmiges Lächeln auf mein Gesicht.
Nein, Riffs Situation hatte nicht viel mit meiner damaligen gemeinsam.
Die Haustür öffnete sich und ich erkannte die dunkle Stimme Raines und die etwas hellere Riffs. Ich konzentrierte mich auf die Mail und versuchte vergebens, das Gespräch auszublenden. Die Männer unterhielten sich mit Merry und den Mädchen und es wurde gelacht.
Es war lächerlich, dass ich hier saß und mich verkroch. Man erwartete von mir sicherlich, dass ich zu ihnen ging und Riff willkommen hieß. Aber ich konnte meinen Widerwillen nicht überwinden. Vielleicht hatte ich Glück und irgendjemand gab Riff etwas zu tun, so dass ich ihn erst zur Trauung im Menschengemenge treffen musste.
»Guten Morgen, Savannah.« Kein Glück.
Ich atmete tief ein und drehte mich gespielt lässig mit dem Bürodrehstuhl um.
Entspannt lehnte er, eine dampfende Tasse in den Händen, an der Tür und beobachtete mich leicht amüsiert. Er trug bereits den Anzug für die Trauung und sah darin wie ein Model aus. Sein längeres Haar, das so gut zu seiner sonst lässigen Kleidung passte, machte sich auch zu dem mitternachtsblauen Zweireiher hervorragend. Er hatte über dem silbergrauen Hemd sogar eine Krawatte in der Farbe des Anzugs umgebunden. Ein Bild von einem Mann.
Ich brachte kein Wort hervor. Verdammt, ich hasse diese Blutleere im Hirn. Eine flapsige Bemerkung oder wenigstens ein »Guten Morgen« wären doch nicht zuviel verlangt. Mein Blick blieb an seinen Augen hängen. Nicht ganz so blau wie sonst zeigten sie eine Müdigkeit, die ich kannte. Sie kam von dem Gefühl des Ausgeliefertseins.
»So schlimm?«, fragte ich mühsam und seine Unbekümmertheit bröckelte kurz. Er zog sich einen Stuhl heran und nahm rittlings direkt vor mir Platz. Seine Stimme klang ungewohnt leise.

»Nicht schön. Aber ich kann mich nicht beschweren. Außer über diese idiotische Tatsache, dass man mich des Mordes an dem Dreckskerl verdächtigt.«
»Irgendwer muss den Kopf immer hinhalten. Du warst eben am nähesten dran.«

Ich hörte mich bitter an und der Ausdruck in seinen Augen änderte sich. Mitleid hasse ich auch.
Er griff nach meiner Hand und ich spürte die Kälte. Kam sie nur von den Temperaturen vor dem Haus oder aus seinem Inneren? Instinktiv strich ich mit den Fingern meiner anderen Hand über seinen Handrücken.
»Savannah, ich habe die ganze Nacht an dich gedacht«, brach es aus ihm hervor. »Die Tatsache, dass du noch Schlimmeres durchmachen musstest, ist mir erst jetzt bewusst geworden.«
Ich schwieg. Was hätte ich sagen sollen? »Es tut mir so leid, dass du niemanden hattest, der sich für dich eingesetzt hat.«
Da war er wieder: Der Schmerz über den Verrat eines Mannes, den ich geliebt hatte, mit jeder Faser meines Herzens. Abrupt entriss ich ihm meine Hand und stand auf. Er drückte sich ebenfalls aus dem Stuhl und sah mich verwirrt an.
»Du musst kein Mitleid mit mir haben. Ich war ja nicht unschuldig. Ich war nur dumm und unreif. Habe einem Mann vertraut. Du dagegen bist unschuldig.«
Seine Hand hob sich an meine Wange und ich schloss die Augen. Ein ängstliches Sehnen erfüllte mich.
»Hättest du Rückhalt bei deinen Eltern gehabt, wäre das nicht passiert.«

Ich öffnete die Augen wieder und sah ihn stirnrunzelnd an.
»Wenn du das glaubst, glaubst du wohl auch an Märchen. Es gibt genügend Jugendliche mit fürsorglichen oder strengen Eltern, die im Knast landen. Ich war eine Idiotin und die Welt hat sich auch ohne mich in Freiheit weitergedreht.«
Diese Worte verstärkten das Mitleid in seinem Gesichtsausdruck weiter und er versuchte, mich an sich zu ziehen. Das Gefühl ersticken zu müssen, wurde übermächtig. Das kannte ich aus meinen ersten Therapiewochen, aber ich hatte es lange nicht mehr gespürt.
Ich musste raus hier, sofort.

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Rezensionen

Wunderbarer Dritter Teil der Serie um die Double-J-Ranch in Colorado. Die Autorin verspricht uns einen Romantic-Thriller. Sie hat nicht zu viel versprochen: Die Verbindung zwischen romantischer Liebesgeschichte und super spannendem Thriller ist ihr meisterhaft gelungen. ... Ein Buch, das man vor lauter Spannung nicht mehr aus der Hand legen kann... Durch den bildhaften Schreibstil ist man sozusagen Gast auf der Double-J und sitzt mit den Protagonisten am Frühstückstisch oder begleitet sie auf ihren Reitausflügen. Bis zum spannenden Schluss, der Lust auf den nächsten Band macht, ist man am Mitfiebern ...

Ich bin nun schon bei Band III der Reihe und werde vermutlich nicht aufhören können. Alle Bände sind sprachlich toll und auch die Handlung ist gut durchdacht. Sie lässt, ohne allzu große Vorhersehbarkeit und übertriebenen Kitsch, nichts zu wünschen übrig. Alle Szenen sind äußerst taktvoll und überlassen Dinge, die nicht ausgesprochen werden müssen der Phantasie des Lesers. Große Klasse

Wer Band drei gelesen hat, bestellt Band vier vor, sobald dies möglich ist und muss auch unbedingt Band eins und zwei noch lesen. Eine einfach perfekte Geschichte.

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Erhältlich als E-Book:

ebookversion Savannah
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 625 KB
ASIN: B06XDPC49Y

Erhältlich als Taschenbuch:

Taschenbuchversion

372 Seiten, Taschenbuch
Verlag: EyeDoo Publishing
Verlagsnummer: 946201
ISBN: 978-3-946201-10-6
www.eyedoo.biz

 
Donnerstag, 08 März 2018 11:14

Magnolia – Zauber des Südens

geschrieben von

Romantikthriller (Die Dawsons – Serie, Band 4)

Knisternde Romantik und schlagfertige Dialoge inmitten heimtückischer Machenschaften

Beschreibung

Magnolia, RomantikthrillerIn Teil IV der Reihe »Magnolia« folgt die rassige Dawson-Schwester dem geheimnisvollen Jake in den tiefen Süden der USA. Zwischen den Sümpfen und dem vergangenen Glanz Louisianas gerät Magnolia nicht nur in Gefahr, sondern auch in einen Strudel von Gefühlen. Trotz ihrer Entscheidung für den attraktiven, aber schwierigen Mann liegt vieles nicht mehr in ihrer Hand. Erstmals in ihrem Leben muss sie gegen Zurückweisung und Hass ankämpfen. Und da wäre auch noch die Sache mit den ungeklärten Mordfällen.

Die Geschichten um die Dawson-Geschwister und ihre Freunde können unabhängig voneinander gelesen werden. Die Storys im Stil von Nora Roberts sind meist in der Nähe von Boulder, Colorado angesiedelt.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorwort
  2. Stilles Leid
  3. Neuland
  4. Sumpfwelt
  5. Feindesland
  6. Vom Winde verweht
  7. Südstaatencharme
  8. Berührungen
  9. New Orléans
  10. Gefahr im Sumpf
  11. Daheim

Leseprobe

Die Tachonadel schoss in verbotene Höhen, der starke Motor des Wagens brüllte angriffslustig auf und das Quietschen der Reifen zerriss die Stille der Nacht. Jake raste über die verlassenen Straßen, als wären Dämonen hinter ihm her. Er war auf der Flucht und steuerte doch auf das nächste Desaster zu.
Verhängnisvolle Dunkelheit umgab ihn, als er auf der Interstate 149 in Richtung Lafayette fuhr. Alexandria hatte er vor einer Stunde passiert, in weniger als einer halben Stunde wäre er zuhause angelangt.
Zuhause. Er hatte den verhassten Gedanken daran verdrängt. Hatte nicht wieder dorthin zurückwollen: zu den mitleidigen oder verständnislosen Blicken der weiblichen Verwandtschaft, den verächtlichen des Vaters. Zu den wohlmeinenden Ratschlägen wie »Frag mal Jacques Laville, ob er Arbeit für dich hat, Junge!« oder »Du stehst doch noch gut im Saft. Warum hast du aufgehört, für unser Land zu kämpfen?«
Nichts als Probleme lagen vor ihm. Was er allerdings hinter sich ließ, war weit mehr als nur Probleme.

Als er vor wenigen Monaten aus dem Irak zurückgekehrt war, hatte er es nicht lange in Lafayette ausgehalten. Eine knappe Woche nach der ersehnten Heimkehr fühlte er sich von seiner Familie in den Wahnsinn getrieben. Von seinem Ersparten hatte er sich den SUV gekauft und nur eine halbe Stunde später seinen Seesack auf dessen Rückbank geworfen und die Flucht ergriffen.
Gelegenheitsarbeiten als Zimmerer, Waffenverkäufer und zuletzt Rancharbeiter auf der Nachbarranch der Double-J hatten ihn über Wasser gehalten und abgelenkt.

Die beste Ablenkung war jedoch Magnolia gewesen. Eine Frau voller Temperament und Fürsorge, aber mit einem unbeugsamen Rückgrat.
Dunkles, wild gelocktes Haar, üppige Kurven an einem Körper, der Weichheit versprach und zuletzt unerwartete Härte bereitgehalten hatte.
Nola, wie sie von ihrer Familie, Freunden und der Einwohnerschaft von Boulder, Colorado, genannt wurde, hatte Mut, Herz und Verständnis für jeden, der in ihrem Café auftauchte und danach verlangte.
Außer für ihn.
Aber er konnte sich nicht beschweren, denn er hatte mit ihr die heißesten Nächte erlebt, die ihn viele schlimme Erinnerungen vergessen ließen.
Wenn ihn solche gelegentlich in der schwärzesten Zeit um Mitternacht heimgesucht hatten, hatte Nola beruhigend auf ihn eingesprochen. Sie hatte ihn, den harten Ex-Marine-Elitesoldaten, in ihren weichen Armen gehalten und gestreichelt, bis das Zittern wieder nachließ, der Angstschweiß getrocknet war.
Sie hatte ihn verstanden, niemals bedrängt zu erzählen, denn dies hätte ihn erneut in die Gewaltspirale torpediert, aus der er mühsam und schwer verletzt gekrochen war.
Magnolia hatte sich angefühlt wie Zuhause.
Was hatte er falsch gemacht?
Er hatte sie doch nur geneckt. Mit bösen Worten hatte sie zerstört, was in ihm wie eine zarte Blume ihre Blätter entrollt hatte. Als müsse sie sich vor ihm schützen. Vor ihm, der das erste Mal in seinem Leben nach der Rückkehr aus dem Einsatz auf Verständnis gestoßen war und – ja, er gab es sich selbst gegenüber zu – das zweite Mal in seinem Leben überhaupt Liebe empfunden hatte.
Zurückgestoßen und wieder einmal innerlich zerrissen kehrte er zu seiner Familie zurück – wohl wissend, dass sie ihn immer noch nicht verstehen würden. Doch es war an der Zeit, nach seinen Wurzeln zu graben, Jake Tyler neu zu entdecken, ein Leben aufzubauen. Das konnte er nur, indem er lernte, wer er tatsächlich gewesen war. Vor dem Krieg, vor dem Grauen, vor den Albträumen und schlaflosen Nächten.

Magnolia Scarlett Dawson stand am Fenster und starrte in die schlafenden Straßen Boulders. Das »Tara’s« hatte längst geschlossen, das Geschirr stand gespült und getrocknet in den Schränken. Die Tassen warteten auf der Theke auf die Frühstücksgäste und eigentlich sollte sie selbst schon seit Stunden im Bett ihres Appartements liegen.
In dem Bett, das jetzt leer war, seit Jake vor drei Tagen voller Wut davongebraust war.
In Gedanken hörte sie noch einmal die entscheidenden, trennenden Sätze, die sie sich gegenseitig an den Kopf geworfen hatten:
»Für manche Dinge braucht es einen Marine. Da sind Biker einfach nicht mutig genug.«
»Das glaubst nur du, Jake. Meine Brüder sind tapfere Männer. Es braucht nur ganz selten einen Marine, wie z. B. im Krieg.«
Der Vorwurf ihrer Mutter:
»Warum bist du so grob zu ihm? Das hat Jake nicht verdient.«
»Woher willst du das wissen, Mum? Dir klebt er nicht auf der Pelle und macht dauernd Anspielungen. Nicht jede Frau sieht so einen arroganten Kerl als Geschenk Gottes an.«
Da war Jakes Geduldsfaden gerissen.
»Kein Problem, Schätzchen. Ich werde dich nicht länger nerven, bin schon weg.«
Zu Savannah, die ihn beruhigen wollte, hatte er gemeint:
»Womöglich muss ich begreifen, dass sie es tatsächlich so meint. Ich bin kein Idiot. Ich habe nur zu lange gewartet und gehofft. Der richtige Mann für diese Frau muss wohl erst noch vom lieben Gott geformt werden. Streng nach ihren Vorgaben.«
Warum hatte sie so extrem reagiert?
Sie kannte ihn doch, den arroganten Chauvinisten, der in Wirklichkeit ein Mensch war, der litt. Seine Neckereien hatte sie noch nie zuvor ernst genommen, was war diesmal anders gewesen?
Tief in ihrem Inneren ahnte sie es.
Jake Tyler wurde ihr gefährlich. Genauer gesagt: ihrem Herzen, das sie bisher unter flirtendem Temperament und kurzen, unbedeutenden Affären verborgen gehalten hatte.
Nola seufzte und verließ den Ort, den sie mit Liebe und Fleiß aufgebaut hatte. Sie stieg in ihren roten Mini und fuhr für ihre Verhältnisse gemächlich zu dem Appartementhaus, in dem sie seit einem Jahr wohnte.
Sie hatte bis zu ihrem vierundzwanzigsten Lebensjahr ihr Zuhause bei den Eltern gehabt und das Kükendasein ausreichend genossen. Doch ihre Mum Rosie hatte strikte Vorstellungen von Ordnung und Aufstehzeiten und vielem anderen, sodass sie sich vor einem Jahr aufatmend der mütterlichen Fürsorge entzogen hatte.
Sie betrat die kleine Wohnung, stellte ihre Handtasche auf das Tischlein neben der Tür und schlenderte in die Küche.
Sollte sie sich noch etwas kochen? Ein Sandwich zubereiten?
Seufzend gestand sie sich ein, dass sie wieder einmal keinen Appetit hatte.
Eine heiße Dusche, gefolgt von einem Glas Wein und einem guten Buch, würde helfen. Keine Liebesgeschichte, nein, irgendwo lag noch ein vor Wochen begonnener Thriller, der ihr die Erinnerung an Jake austreiben würde.
Im Bad fiel ihr müder Blick auf die Ablagefläche vor dem Spiegel. Sie hatte ihr Make-up-Arsenal wieder ausgebreitet, damit das Loch, das durch das Fehlen von Jakes Rasierer und Aftershave gerissen worden war, nicht mehr auffiel. Doch das Unterbewusstsein ließ sich nicht so leicht austricksen. Sie sah den muskulösen Rücken des Mannes vor sich, als Jake sich in Richtung Spiegel neigte und seinen kurzen Vollbart stutzte. Dunkelgrüne Augen glitzerten ihr belustigt entgegen. Der breite Mund, der ihr einen Fehdehandschuh oder eine Anspielung entgegenwarf, kam ihr in den Sinn. Sie presste die Lippen zusammen.
Es war besser, dass er gegangen war. Sie waren nicht nur in der Hitze dieser Liebesaffäre in Flammen aufgegangen, sie hätten sich binnen Kurzem aufgerieben. Jake bedeutete Anstrengung.
Die leise Stimme in ihrem Inneren, die ihr spöttisch zuflüsterte: »Hattest du jemals eine so gute Zeit mit einem Mann? So viel Spaß, guten Sex und tiefe Gespräche?« ignorierte sie.

Nach einer weiteren Nacht, der Schlaf durchbrochen von heißen Träumen und marternden Gedanken, entschloss sie sich, ihren freien Tag auf der Double-J zuzubringen.
Eine Runde Reiten, die kleine Nichte hätscheln, mit Savannah lachen, den großen Bruder ärgern oder einfach mit Jolene und Erin eine Tasse Kaffee trinken, all das würde sie ablenken. Vielleicht wäre auch ein netter Mann Gast auf der Ferienranch, den sie noch nicht kannte und der einen Flirt zu schätzen wusste.

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Rezensionen

Ich sage Danke. Danke für die schönen Lesestunden! Die Autorin hat auch diese Buch gespickt mit Gefühl, Spannung und Heiterkeit. Eine Familie wie die Dawsons ist echt viel Wert. Wer von dieser Serie noch nicht überzeugt ist, liest bitte das 1. Buch. Ich schwöre ihr werdet nicht enttäuscht sein. Von mir gibt es 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung. Ich freue mich auf das nächste Buch und hoffe es ist nicht das letzte.

"Magnolia" von Katie S. Farrell ist der vierte Teil einer Reihe rund um die Dawson-Schwestern, die in Colorado leben. Die rassige Nola folgt ihren Traummann Jake in den wunderbaren Ort Lafayette im Süden der USA und ist ganz begeistert von der Landschaft dort. Aber sie muss auch kämpfen. Um Jakes Liebe, um die Akzeptanz von Jakes Familie und um der Geschichte einen kriminalistischen Hauch zu geben sind zwei ungelöste Mordfälle zu lösen...

Ich finde die Geschichte wunderbar! Am Anfang war ich etwas skeptisch, da es ja bereits der vierte Band der Reihe ist, aber ich habe gar keine Probleme gehabt. Man kommt sofort prima in die Geschichte rein und alles wichtige, was man über die Vergangenheit der Dawson-Familie wissen muss, erfährt man in kleinen Erzählungen aus Nolas Sicht. Die Romantik kommt trotz der Mord-Ermittlungen nicht zu kurz und umgedreht genauso. Die Spannung ist an den richtigen Stellen da und hält was sie verspricht. Wer bei dem Buch keine Lust darauf verspürt, New Orleans oder Louisana zu besuchen, ist selber schuld ;)

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Erhältlich als E-Book:

ebookversion Magnolia
Format: Kindle Edition
Dateigröße: 617 KB
ASIN: B078T2J6MG

Erhältlich als Taschenbuch:

Taschenbuchversion

Paperback
Verlag: EyeDoo Publishing
Verlagsnummer: 946201
ISBN: 978-3-946201-10-6
www.eyedoo.biz

 
Donnerstag, 05 September 2013 00:00

Tausche Traummann gegen Liebe – Oneway to Montréal

geschrieben von

Sinnlich, abwechslungsreich und mitreißend: die Romantikthriller von Katie S. Farrell

Traummann, Mörder, wahre Liebe – wer bist du?
Die Diplomatentochter und Journalistin Samantha muss die Wahrheit über ihre Jugendliebe Dan herausfinden.
Spannung und Romantik im frankokanadischen Montréal. Begleiten Sie Sammy auf der Suche nach einem Serienmörder – und der echten Liebe!

Beschreibung

Tausche Traummann gegen Liebe, RomantikthrillerDie schöne Frankokanadierin Samantha weiß, was sie will: Den angehenden Diplomaten Dan heiraten und Journalistin werden.
Doch völlig unerwartet angelt sich eine Rivalin ihre große Liebe, und Sammy startet ihre Karriere in Montréal deshalb unglücklich und einsam.
Sammys Chef Alexandre, ein faszinierender Mann der High Society, ist gerne bereit, sie zu trösten – ebenso wie ihr Kumpel, der junge Staatsanwalt Larry.
Nach einem Verbrechen in ihrem Umfeld wird klar, dass nicht nur der Mord an einem Jugendfreund der jungen Frau mit ihr selbst zu tun hat! Gibt es einen, der für Sammys Liebe sogar mordet?

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorgeschichte
  2. Kingston
  3. Der Ball
  4. Schatten aus der Vergangenheit
  5. Ende eines Traumes
  6. Montréal
  7. Wachgeküsst
  8. Perspektiven
  9. Detonation
  10. Montréal oder der Rest der Welt
  11. Knistern
  12. Höhepunkt
  13. Game over
  14. Weitere Bücher der Autorin

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Umfangreiche Leseprobe aus der Taschenbuchversion:
Leseprobe "Tausche Traummann gegen Liebe"

  • Mehr als 25% der Taschenbuchversion
  • 110 Seiten
  • PDF, Größe 930 KB

Weitere Informationen und Leseproben auf facebook.com/katiesfarrell

Rezensionen

»… locker-spritzig und unterhaltsam, wie ein guter Sommer-Cocktail eben.«

»Ein wirklich kurzweiliges, spannendes Buch. Eine geniale Mischung über Liebe, Freundschaft, Spannung ... Einmal angefangen, kann man mit dem Lesen kaum noch aufhören. Es ist so wunderschön leicht geschrieben, dennoch auch sehr hintergründig. Ein Kompliment an die Autorin!«

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Erhältlich als E-Book:

ebookversion Tausche Traummann gegen Liebe

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 524 KB
ASIN: B00H99ZPMI

Erhältlich als Taschenbuch beim Verlag:

Taschenbuchversion

328 Seiten, Taschenbuch
Verlag: EyeDoo Publishing
Verlagsnummer: 946201
ISBN: 978-3-946201-09-0
www.eyedoo.biz

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-> demnächst!

 
 
 
 
 
Dienstag, 01 Oktober 2013 00:00

Vertraue mir

geschrieben von

Romantikthriller

Eine mitreißende Story zwischen Thriller und Liebesroman, Mord und Romantik, dem Schnee der Rocky Mountains und den Weinbergen des Napa Valley!

Beschreibung

Buchcover Vertraue mirVor seinem Blockhaus in den Rocky Mountains wird der Bergwerksunternehmer Gabriel Bennett beinahe erschossen. Ein unerkannter Schutzengel rettet ihm das Leben und verletzt den Attentäter. Dieser entpuppt sich als eine junge Frau, die sich nach dem Wiedererlangen ihres Bewusstseins weder an ihre eigene Identität erinnert, noch an den Grund für ihren Mordversuch an Bennett. Während eines Schneesturms miteinander im Blockhaus eingeschlossen, entdecken die beiden zuerst ihre Sympathie, dann ihre Leidenschaft füreinander.
Zurück in der Zivilisation stellt sich heraus, dass es sich um Maura Callahan handelt, die Witwe eines Angestellten von Bennett, die ihn für den Tod ihres Mannes verantwortlich machte.

Können Maura und Gabriel herausfinden, warum Tim Callahan sterben musste?
War es Mord und wer außer Bennett hatte ein Motiv?
Wird ihre Liebe die Zweifel überstehen?

 

Inhaltsverzeichnis

1. SCHNEESTURM
2. ERWACHEN
3. METAMORPHOSE
4. GEWITTERWOLKEN
5. SHOWDOWN
Weitere Bücher der Autorin

Leseprobe

Mit ganz leichten, feinen Flocken begann es. Sie bedeckten den Boden, setzten sich auf die Äste der Bäume und dämpften die Geräusche im Wald.
Dies fiel dem Mann, der in der großen Blockhütte in einem Lehnstuhl am Feuer saß und gedankenverloren in die Flammen blickte, als Erstes auf.
Er streckte die langen Beine und drückte sich aus dem tiefen Sessel heraus. Ganz ohne Eile ging er zur Türe und öffnete sie weit. In ihrem Rahmen stehend atmete er tief die Schneeluft in sich hinein. So bewusst, dass er dabei die Augen schloss.
Er spürte um sich herum die Landschaft, die er so liebte. Die Einsamkeit, die ihn die Hektik seines Berufsalltags vergessen ließ.

So versunken er auch war, hörte er doch ein Geräusch, welches die Ruhe im Wald störte. Ganz leise nur hörte er jemand auf sich zu kommen. Er öffnete die Augen, kniff sie etwas zusammen, um in der Dämmerung etwas erkennen zu können. Der Schnee verschleierte seinen Blick, aber hinter den Bäumen, den letzten vor der Lichtung auf welcher sein Blockhaus stand, bewegte sich etwas.
Eine völlig weiß gekleidete Gestalt trat aus dem Dunkel des Waldes.
Als die Gestalt den Umriss des Mannes vor der erleuchteten Türe bemerkte, blieb sie abrupt stehen. Dann nahm sie mit langsamen Bewegungen einen Rucksack von den Schultern und holte etwas heraus. Als sich die Gestalt wieder aufrichtete, sah der Mann zu seinem Entsetzen, dass ein Gewehr auf ihn gerichtet war. Er konnte zwar kein Gesicht innerhalb der pelzumrahmten Kapuze ausmachen, das Gewehr war erstaunlicherweise jedoch eindeutig zu erkennen. Es war eine Armeewaffe, ein Spezialgewehr für Scharfschützen! Er hatte während seiner Zeit bei der Army viele dieser Waffen gesehen und die Schützen bewundert, die kleinste Ziele auf große Entfernungen damit zu treffen vermochten.
In diesem Moment dachte er nur: „Warum denn ich? Wer will mich denn töten? Habe ich jemandem dafür einen Grund gegeben?“
Die Verwunderung über diese Situation ließ ihn bewegungslos verharren. Er wusste, er hatte keine Chance einem gezielten Schuss auszuweichen.
Nach dem Krachen des Schusses wartete er auf den Schmerz. Als dieser sich nicht einstellte, erwachte er wie aus einer Trance und sah völlig überrascht den Schützen selbst neben dem Baum zusammenbrechen. Langsam, wie in Zeitlupe! Der Mann zögerte kurz, dann ging er widerwillig, aber von seiner Neugierde getrieben, auf die daliegende Gestalt zu. Aus den Augenwinkeln heraus nahm er plötzlich eine Bewegung oberhalb des Waldes auf dem nahe gelegenen Hügel wahr. Dort stand jemand in schwarzer Montur!
Der Schwarzgekleidete zögerte einen Moment. Dann wandte er sich in einer fließenden Bewegung um und verschwand. Der Mann aus der Hütte beschleunigte, wie unter einem inneren Zwang, seine Schritte und versuchte den Schwarzgekleideten einzuholen, aber als er die Hügelkuppe erreicht hatte, sah er nur noch einen dunklen Geländewagen verschwinden. Das Kennzeichen war im Licht- und Schattenspiel des Waldes nicht mehr zu erkennen.
Er wandte sich um, jetzt wieder hellwach. Vorsichtig näherte er sich dem unglücklichen Attentäter. Die Gestalt lag zusammengekrümmt im Schnee. Durch das Oberteil des weißen einteiligen Tarnanzugs tropfte Blut in den weißen Schnee. Widerwillig drehte er die Gestalt um und streifte ihr fast grob die Kapuze vom Kopf.
Ein Laut des Erstaunens entschlüpfte ihm.
Eine junge Frau lag vor ihm. Vielleicht Mitte Zwanzig. Die Haare waren blond, nicht sehr lang, das Gesicht zart und symmetrisch.
Ja, sie war hübsch, aber wegen der geschlossenen Augen konnte man keinen Ausdruck erkennen. Sie wirkte keinesfalls wie eine Profikillerin, aber er wusste, es gibt viele seltsame Dinge auf dieser Welt. Etwas an ihr kam ihm vage bekannt vor, aber er wusste nicht, wo in seinem Umfeld er sie unterbringen sollte.

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Umfangreiche Leseprobe aus der Taschenbuchversion:
Leseprobe "Vertraue mir"

  • Mehr als 25% der Taschenbuchversion
  • 81 Seiten
  • PDF, Größe 800 kB

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Rezensionen

Das Buch hat mir gut gefallen. Die Spannung wurde langsam aufgebaut und die Protagonisten waren sehr sympathisch. Ein Punkt Abzug, weil mir die Personen manchmal zu perfekt waren und das Ende vorhersehbar. Aber das tat dem Lesespaß nicht wirklich Abbruch. Eine schöne Geschichte für entspannte Stunden. Was mich zusätzlich überrascht hat: Die typisch amerikanische Lebensart wurde so gut beschrieben, dass ich überrascht war, dass die Autorin Deutsche ist!

Der Roman ist spannend von Anfang bis zum Ende. Eine gelungene Mischung aus Krimi und Liebesroman und ich konnte meinen Kindle nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin schafft es, die Spannung von Anfang bis Ende zu halten. Natürlich ist es im "richtigen" Leben unrealistisch, der Person, die einen vernichten will, bedingungslos zu vertrauen und sich zu verlieben. Aber dazu sind Romane ja meiner Meinung nach da, um einen für ein paar Stunden in eine andere Welt zu entführen und zu unterhalten. Es ist schön, dass Amazon den Kindle-Besitzern immer wieder die Gelegenheit gibt, kostenlos neue Autoren kennen zu lernen. Ich hoffe, dass es bald noch mehr solch spannender Romane von Mona Nebl gibt.

Die Geschichte ist gut realistisch geschrieben. Beide Hauptpersonen werden sehr sympathisch vorgestellt und man fühlt in der Geschichte wirklich mit. Der Roman ist durchgehend spannend, so dass ich (normalerweise lese ich nicht mehr als 1-2 Stunden am Stück) bis 3 Uhr morgens durchgelesen habe. Ich hatte bis zum Schluss Angst um die sympathische Hauptperson und auch die Entlarvung des Bösen war bis zuletzt nicht sicher möglich. Der Schreibstil der Autorin ist fließend und sehr angenehm ohne die heute sonst leider üblichen "Kraftausdrücke".

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Format: Kindle Edition
Dateigröße: 409 KB
ASIN: B00BFSGPJG

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260 Seiten, Taschenbuch
Verlag: EyeDoo Publishing
Verlagsnummer: 946201
ISBN: 978-3-946201-08-3
 

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